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Gedenkstätten

 

Mahnmal für die deportierten und ermordeten jüdischen
Mitbürgerinnen und Mitbürger

 

Foto Mahnmal

Die vier Steinstempel verweisen auf die Deportations- und Vernichtungslager (Litzmannstadt – Riga – Izbica – Theresienstadt), in denen jüdische Mitbürger aus Meerbusch ermordet worden sind. Eine Schriftsäule dokumentiert ihren Namen – vier Buchstaben stehen für „Sachor – Gedenke“ – und der Palmzweig trägt das jüdische Glaubensbekenntnis „Höre Israel“.

Überdimensionierte Stempel, die Zeugnis ablegen über die namentliche Existenz von Konzentrationslagern, Ghettos und Hinrichtungsstätten, von Orten, die mit der bestialischen Tötungsmaschinerie der Nationalsozialisten in direkter Verbindung stehen. Mit einer Tätowierung auf dem Unterarm zu einer Nummer gestempelt, symbolisieren die Stempel das eigentliche Mordwerkzeug der bürokratischen Täter – der Schreibtischtäter, deren Fallbeil der Stempel auf dem Schreibtisch war. Die Steinstempel sind auf Gleisbauschotter, wie soeben abgelegt, aufgebaut. Wie ein Gräberfeld erinnern sie an Flucht, Deportation, Misshandlung und Ermordung der Kinder, Frauen und Männer dieser Stadt. Sie mögen mahnen, Intoleranz und Hass zu überwinden und immer und jederzeit die Würde aller Menschen zu achten.

Christopf Wilmsen-Wiegmann, Kalkar

 

Kunst ist Zeugenschaft, sie spricht sich aus in Geformtheit, auch Erschütterung kann sie nur so mitteilen und wecken. In diesem Werk hat der Künstler ein Symbol gewählt, das ihm als Bildhauer von strengem Zuschnitt auch formal tragfähig erschien: den Stempel. Was im Vollzug unfassbar bleibt, Entwürdigung, Versklavung und Tod in solchen Ausmaßen, wird auf die Ebene zurückgeführt, auf der auch das Unmenschliche reibungslos vonstatten geht: die der bürokratischen Abwicklung. Der betroffene Mensch wird nur als  Zahl und Nummer wahrgenommen, es wird darüber verfügt, und der Stempel gibt jedem der daraus resultierenden Schriftstücke die erforderliche Geltung. Alles Menschliche reduziert sich auf das, was als Ordnung gesehen werden möchte. In welchem Maße Verwaltung zu pervertieren vermag, davon geben die Konzentrationslager Zeugnis. Wie der Ungeist in Selbstzerstörung endet, mögen die Stempel in ihrer Geworfenheit zeigen. Fast lassen sie nunmehr selbst an die Geworfenheit der Opfer denken. (weiterführender Link: NRW-Skulptur)

Franz Josef van der Grinten – aus einem Text zur Bodenskulptur „Buchenwald“ im Museum Schloss Moylnd, 2001

Chronologie:

16.06.1999:       Evgl. Kirchengemeinde Lank regt auch im Namen der katholischen Kirchengemeinde St. Stephanus Lank die Errichtung eines Gedenksteins auf dem jüdischen Friedhof in Meerbusch-Lank an. Er soll dem namentlichen Gedenken der während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft aus Meerbusch deportierten und ermordeten Juden gewidmet sein.

24.01.2000:       Kulturausschuss beschließt einstimmig, der Anregung zu folgen

30.05.2001:       Kulturausschuss bestimmt den Platz für das Mahnmal an der Ecke Kemperallee/Hauptstraße in Lank

12.11.2002:       Einstimmige Entscheidung des Kulturausschusses für den Entwurf des Mahnmals von Christoph Wilmsen-Wiegmann aus Kalkar und Beauftragung des Künstlers mit der Erstellung.

09.11.2003:       Errichtung des Mahnmals an der Ecke Kemperallee/Hauptstraße in Lank und feierliche Übergabe

 

Auszüge aus der Rede von Bürgermeister Dieter Spindler zur Enthüllung des Mahnmals am 9. November 2003

(...) Dieses Mahnmal, das wir heute gemeinsam enthüllen, geschaffen von dem Kalkarer Künstler Christoph Wilmsen-Wiegmann, ist eine künstlerische Einladung zum Gedenken, zum Erinnern. Und es ist eine steinerne Mahnung, dass das Verbrechen der Nationalsozialisten am jüdischen Volk eine einmalige, katastrophale Entgleisung deutscher Geschichte bleiben muss.

(...) Dieses Mahnmal führt uns vor Augen, dass die schrecklichen Ereignisse der Jahre 1938 bis 1945 nicht irgendwo in Deutschland, nicht nur in Auschwitz, nicht nur in Treblinka oder Buchenwald geschahen, sondern vor unserer Haustür, in unserem unmittelbaren Lebensumfeld Spuren hinterließen. Sie sind keine Schwarz-Weiß-Aufnahme aus dem Geschichtsbuch mehr, sondern auch lokale Realität.

Es waren Nachbarn und Freunde, es war der Kaufmann um die Ecke, der Handwerker von der Hauptstraße und ihre Famlien, es waren Bürger des heutigen Meerbuschs, die verleumdet, verhaftet und deportiert den Tod in Hitlers Vernichtungslagern fanden. Die Namen der Menschen stehen ab sofort für jedermann lesbar eingemeißelt in Basaltstein hier mitten in Lank-Latum. Aber auch Städtenamen wie Litzmannstadt, Riga oder Theresienstadt gehören damit ins Stichwortregister der Meerbuscher Stadtgeschichte.

(...) Dieses Mahnmal appelliert an das Erinnerungsvermögen, gibt dem Gedenken und der Auseinandersetzung mit dem Thema Raum, ist aber auch eine Verneigung vor den Opfern.

 

 

Jüdischer FriedhofFoto jüdischer Friedhof

 

angelegt 1878, unter Denkmalschutz seit 1981
14 Grabsteine, davon elf mit Inschriften sowohl in hebräischer als auch in lateinischer Schrift.
An den Grabsteinen lässt sich die Entwicklung jüdischer Begräbniskultur erkennen: zunehmender Gebrauch der Landessprache, Erwähnung der Tugenden der Verstorbenen und ihres Familienstammbaums.
Die jüngste Gedenktafel aus dem Jahr 1937 ist für Eliese Leopold. Die wahrscheinlich letzte Beerdigung war die von Isaak Wyngaard im Dezember 1938. An ihn erinnert kein Grabstein.





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20. November 2017



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