Artikel aus den Rathaus-Nachrichten......
Artikel vom: 08/19/2005

Stadtarchiv erstellt jetzt Meerbuscher Totenzettelsammlung
 
 
 
Quellen der Heimathistorie: Wenn Sterbebildchen
spannende Lebensgeschichten erzählen

“Zum frommen Andenken an den wohlachtbaren Mitbruder Karl-Josef Kellermann, der am 3. Mai 1868, versehen mit den Sterbesakramenten, geduldig und gottergeben in ein besseres Jenseits entschlafen ist.” Ganz gleich, ob Gutsherr von Haus Meer oder “Ackermann” aus Langst-Kierst, Ortsvorsteher von Lank-Latum, Matthias-Bruder aus Büderich, treusorgende Mütter aus Bösinghoven oder “Mitkämpfer des Feldzuges 1870/71” aus Osterath – sie alle haben eines gemeinsam: Ihr Lebensweg und Tod ist der Nachwelt erhalten - nicht in dicken Geschichtsbüchern, aber in Totenzetteln. Als Erinnerung in alten Gebetbüchern oder fein aufbewahrt in der Nachttischschublade schlummern “Sterbeblättchen” nicht selten Generationen vor sich hin. Oder sie werden irgendwann entsorgt. Es sei denn, sie landen in den berufenen Händen von Michael Regenbrecht. Der engagierte Stadtarchivar hat Totenzettel als Quelle der Heimatgeschichte entdeckt und baut derzeit eine eigene Meerbuscher Sammlung auf.

“Totenzettel erhellen persönliche Lebensgeschichten, sie sind wichtige Quellen für die Familienforschung, für Frömmigkeits- und Mentalitätsgeschichte, für Genealogie und Volkskunde”, sagt Regenbrecht. Auch der Wandel in Ikonografie, Gestaltung und Drucktechnik der Sterbebildchen sei interessant. Bislang waren vor allem die Geburts-, Toten- und Heiratsbücher aus den Kirchenarchiven oder auch die Personenstandsakten aus dem Standesamt bevorzugter Tummelplatz interessierter Zeitgenossen. Inzwischen aber sind auch religiöse Personaldokumente ins Blickfeld der Wissenschaft gerückt. “Eine umfangreiche Totenzettelsammlung kann uns in der Tat wertvolle Informationen liefern”, so der Archivar. Erst kürzlich hätten Wissenschaftler der Medizinhistorischen Abteilung der Düsseldorfer Uni-Klinik neben anderen Archiven auch den noch kleinen Bestand an der Karl-Borromäus-Straße gesichtet, um Todesursachen und durchschnittliches Sterbealter von Menschen im 19. Jahrhundert zu erforschen.

“Besonders die alten Sterbezettel schildern bisweilen sehr ausführlich den Lebenslauf, die Familienverhältnisse, die berufliche Tätigkeit oder auch die Ämter und Verdienste des Verstorbenen.” Wahrheitsgemäß seien die Angaben allemal gewesen, “denn die soziale Kontrolle auf dem Dorf funktionierte gut”. Totenzettel sind im übrigen keine spezifisch deutsche Angelegenheit. Seit dem 18. Jahrhundert sind die Blättchen in allen stark katholisch geprägten Ländern üblich. “Vorläufer gab es sogar schon im Mittelalter”, weiß Regenbrecht.

Jetzt hofft er auf die Mithilfe der Meerbuscher, auch setzt er auf die Unterstützung der Bestattungsunternehmer und Kirchengemeinden. Ziel ist es, möglichst viele Totenzettel aus allen Stadtteilen im Archiv zusammenzutragen – gleich wie alt, im Original oder in Fotokopie. Wer Exemplare beisteuern möchte, kann sich sofort unter der Telefonnummer 02132 / 769 680 oder per Mail unter archiv@meerbusch.de mit Michael Regenbrecht in Verbindung setzen. Und Service bietet das Archiv noch dazu: “Wenn nötig, hole ich die Zettel auch zu Hause ab und bringe sie persönlich zurück.”