Artikel aus den Rathaus-Nachrichten......
Artikel vom: 06/05/2008

Bestandsanalyse für die Straßenbäume an der L137 vorgelegt
 
 
 
Erhebliche Schäden: Gutachter bestätigt
Diagnose der städtischen Grünfachleute

Wipfeldürre, Stammrisse, Standortstress, Faulstellen, erhöhte Kippgefahr, Wuchsstagnation - die Bestandsanalyse, die der öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige Stephan Muthig im Auftrag der Stadt für die Bäume entlang der Düsseldorfer- und Moerser Straße in Büderich erstellt hat, fällt mehr als bedenklich aus. In einer Liste von Baum 1, eine Linde am Erlenweg, bis zu Baum 122, eine Linde in Höhe der Marienburger Straße, hat der Gutacher jedes einzelne Exemplar bewertet. Am Mittwoch Abend trug Muthig seinen Bericht im Bau- und Umweltausschuss vor. Demnach weisen 32 Bäume, wie es in der Gutachtersprache heißt, erhebliche "Vitalitätsdefizite" auf. "Die Bäume stehen nur noch auf 'standby'", erklärte Muthig. Bei einer ganzen Reihe habe die Schädigung sogar schon solche Ausmaße angenommen, dass sie unabhängig vom Straßenbau aus Sicherheitsgründen schnellstmöglich gefällt werden müssten.

Hinzu kommen laut Gutachter weitere 51 Exemplare, die durch die Straßensanierung mit 70 Zentimeter tiefer Ausbaggerung von Bordstein zu Bordstein unweigerlich derart in Mitleidenschaft gezogen werden, dass sie nicht mehr standsicher sind. "Die Starkwurzeln verlieren den schweren Asphalt samt Unterbau als Widerlager, so entsteht zwangsläufig massive Kippgefahr." Zusätzlich würde das Wurzelwerk selbst bei Ausschachtung per Hand so beschädigt, dass Fäulniserreger eindringen und den Baum erkranken lassen. Dies lehre auch seine Erfahrung aus Straßenbaumaßnahmen in anderen Städten. "Es tut mir leid, aber das ist einfach nicht wegzudiskutieren oder unter den Teppich zu kehren", so Stephan Muthig deutlich.

Insgesamt, so das zusammenfassende Ergebnis der "Gutachterlichen Einschätzung", sind 83 Bäume durch bereits vorhandene Schäden oder durch die Bauarbeiten so gefährdet, dass sie wohl nicht mehr zu halten sind. "Damit ist auch der Vorwurf, im Zuge der Sanierung würden sinnlos gesunde Bäume gefällt, haltlos", so Bürgermeister Dieter Spindler. 69 der 83 gefährdeten Bäume stehen im Abschnitt zwischen Friedenstraße und Deutsches Eck – das ist der Bereich, in dem die Stadt Bürgersteige, Bushaltestellen und Parkbuchten neu gestaltet. Die anderen liegen in Bereichen, in denen neben der Fahrbahn nicht gearbeitet werden muss – zum Beispiel entlang der Bahnlinie am Haltepunkt Forsthaus. Überraschend: Mit seinen Zahlen übertraf der Sachverständige noch die Befürchtungen der Grünfachleute der Stadt.

Wie geht es nun weiter? Der Landesbetrieb Straßenbau, verantwortlich für die Sanierung der Fahrbahn von Bordstein zu Bordstein, wird seine Gewerke kurzfristig ausschreiben. Aus Gründen der Fairness wartet die Stadt die Prüfung des Bürgerbegehrens ab. Das Begehren fordert, nur Bäume zu fällen, die nicht mehr verkehrssicher sind oder aus einem anderen wichtigen Grund weichen müssen. Die geplante gemeinsame Ausschreibung von Land und Stadt ist damit allerdings nicht mehr haltbar – ein Faktum, das die weiteren Vorbereitungen auf Seiten der Stadt maßgeblich behindert. Spätere unausweichliche Baumaßnahmen - wie zum Beispiel der per Gesetz geforderte barrierefreie Umbau der Buswarteflächen – würden wesentlich verteuert.

Am 25. Juni muss sich der Stadtrat mit dem Bürgerbegehren beschäftigen und über das weitere Vorgehen beraten. Derweil hat Bürgermeister Dieter Spindler sein Dialogangebot an die Bürgerinitiative „Pro Baum“ wiederholt. Eine positive Reaktion der Initiative liegt schon vor. Vor dem Hintergrund der Erkenntnisse aus dem aktuellen Gutachten kann dann gemeinsam am runden Tisch über jetzt noch mögliche Kompromisse gesprochen werden. Kommt es zu keiner Einigung, muss ein Bürgerentscheid zur Klärung führen.