Artikel aus den Rathaus-Nachrichten......
Artikel vom: 08/16/2006

Rotarier helfen Arbeitssuchenden zurück ins Berufsleben
 
 
 
Konzept im Rathaus vorgestellt:
“Job-Paten” als ehrenamtliche Hoffnungsträger

Die Rotary-Clubs Meerbusch und Meerbusch-Büderich möchten Arbeitssuchenden auf dem Weg zurück ins Berufsleben helfen. Ein Patentrezept aus der Arbeitslosigkeit haben auch die Rotarier nicht, wohl aber den Willen und die Bereitschaft, Betroffene zu unterstützen. Die Idee: Sogenannte “Job-Paten”, allesamt Führungskräfte mit Berufserfahrung, Menschenkenntnis und vielfältigen geschäftlichen Beziehungen, nehmen Arbeitslose unter ihre Fittiche. Die ehrenamtlichen Berater prüfen die Bewerbungsunterlagen, geben Ratschläge und Tipps, sondieren die individuellen Fähigkeiten oder “leihen einfach nur ein Ohr” für die Sorgen und Nöte der Betroffenen – ehrenamtlich versteht sich. Bevor die Paten ihre Arbeit aufnehmen, werden sie sorgfältig auf ihre Aufgabe vorbereitet und eigens geschult..

“Unser Ziel ist es, noch mehr Menschen über das zu informieren, was wir tun. Wir wollen noch mehr erfahrene Leute als Job-Paten gewinnen und auch die heimische Unternehmerschaft für das Thema sensibilisieren”, so Dr. Christian Körling vom RC Meerbusch. Gemeinsam mit seinem rotarischen Freund Karl-Joachim Neidhart vom Rotary-Club Meerbusch-Büderich stellte er das Konzept jetzt im Rathaus Bürgermeister Dieter Spindler vor. Beide haben als Job-Paten schon gute Erfahrungen gemacht.

Die Idee zum Job-Paten-Model wurde schon vor einigen Jahren auf Basis der Bundesinitiative “Arbeit durch Management” in Brandenburg geboren, inzwischen hat sie auch in Nordrhein-Westfalen Fuß gefasst. Zur Zeit stellen landesweit rund 60 Paten ihre Erfahrung, ihre Kontakte und ihre Zeit zur Verfügung, um Arbeitssuchende zu beraten. Nach einem Fachvortrag der Diakonie Krefeld beim “Jour-Fix” fingen auch die Meerbuscher Feuer, die ersten Job-Paten fanden sich schnell. Die Diakonie Meerbusch förderte das Job-Paten-Modell vor Ort, sie vermittelt Arbeitssuchende an die Rotarier und stellt Räume für die Beratungsgespräche zur Verfügung.

Über die Internetseite www.patenmodell.de oder die Beratungsstellen des Diakonischen Werkes finden Arbeitslose den Kontakt zum Job-Paten, der zu ihnen und ihrem Berufsbild am besten passt. Auf der Homepage können sich Interessierte direkt mit ihren persönlichen Daten registrieren lassen, ein Job-Pate meldet sich dann und verabredet ein erstes Gespräch.

“Beim ersten Treffen ist es vor allem wichtig, den Betroffenen das Gefühl zu vermitteln, dass sich jemand ernsthaft um sie kümmert”, so Karl-Joachim Neidhart. So entstehe ein persönliches Vertrauensverhätnis, das ein Berater der Agentur für Arbeit schon wegen der Masse seiner Klienten nicht bieten könne. “Dennoch können und wollen wir natürlich nur eine Ergänzung zur Arbeit der Agentur sein.” Im nächsten Schritt macht sich der Pate ein Bild von den Neigungen, Fähigkeiten und Qualitäten des Kandidaten. “Viele haben bereits etliche erfolglose Bewerbungen hinter sich und sind entsprechend niedergeschlagen”, weiß Christian Körling aus Erfahrung. Deshalb gelte es zunächst, die Bewerbungsunterlagen zu optimieren, vielleicht dem Kandidaten auch den einen oder anderen Tipp für eine bessere Selbstdarstellung zu geben. “Dann treffen wir uns in regelmäßigen Zeitabständen wieder. Der Klient bewirbt sich neu, der Pate erkundigt sich derweil in seinem Umfeld nach einem geeigneten Arbeitsplatz”, berichtet Körling. “Das Netzwerk des Rotary-Clubs bietet hier durchaus Möglichkeiten.”

Gut 30 Arbeitssuchende – zumeist mit akademischer Ausbildung - haben die Rotary-Job-Paten in den ersten Monaten unter ihre Fittiche genommen, 16 konnten tatsächlich in ein Anstellungsverhältnis vermittelt werden. Für fünf ergab sich keine Möglichkeit zu helfen, die übrigen werden weiter betreut. “Die Klienten – das muss man dazu sagen – müssen ein gutes Maß an Eigeninitiative mitbringen, sie müssen selbst wollen. Nur dann hat unser Bemühen Zweck”, räumt Neidhart ein. Eine Erfolgsgarantie für das Patenmodell gebe es selbstverständlich nicht. “Aber es ist ein vielversprechender Weg, der ausgebaut werden sollte.”