Artikel aus den Rathaus-Nachrichten......
Artikel vom: 07/01/2003

Ausstellung zum Jahrestag des Attentats auf Hitler im Juli 1944
verlängert bis Jahresende

 
 
  Im Kleinen wie im Großen:
Geschichte des Widerstands neu beleuchtet

Um es vorwegzunehmen: Der 60. Jahrestag des Attentats auf Adolf Hitler durch den Wehrmachtsoffizier Claus Schenk Graf von Stauffenberg steht erst am 20. Juli 2004 an. Für Stadtarchivar Michael Regenbrecht kein Grund, die Hände in den Schoß zu legen und abzuwarten. “Nächstes Jahr wird es eine Vielzahl von Veranstaltungen zum 20. Juli geben. So sind wir der Masse einen Schritt voraus.” Mit Hilfe von Material der Gedenkstätte Deutscher Widerstand in Berlin hat Regenbrecht im Stadtarchiv eine Ausstellung zum Thema “Widerstand gegen den Nationalsozialismus” erarbeitet. Sie dokumentiert die verschiedenen Facetten, Formen und Träger des Widerstandes gegen den Nationalsozialismus im Zeitraum zwischen 1933 und 1945. Berücksichtigt ist auch auch die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus zur Zeit der Weimarer Republik. Plakate, Fotos, biografische Steckbriefe und Zeitungsausschnitte machen die Ereignisse von damals im Stadtarchiv wieder lebendig.

Eindrucksvoll spiegeln die Reichstagswahlergebnisse von 1928 bis 1933 den rasanten Machtgewinn der Nationalsozialisten wider. “Die Ergebnisse zeigen aber auch, dass die Nazis im Rheinland zwar die Mehrheit, nie aber eine alles überwältigende Übermacht wie in anderen Regionen erringen konnten. Die Zentrumspartei hat hier ihre starke Stellung behaupten können.” Darin zeige sich auch die starke politische, kulturelle und seelsorgerische Stellung der katholischen Kirche im rheinischen Raum, deren Klerus sich zudem in Veröffentlichungen vehement gegen die große Gefahr der nationalsozialistischen Bewegung gewandt habe.

So spielen Widerstandsströmungen aus den christlichen Lagern in Regenbrechts Ausstellung logischerweise eine Rolle. Beleuchtet werden aber auch die Bestrebungen von Sozialdemokraten, Kommunisten, Liberalen, Konservativen, des politischen Katholizismus, Gewerkschaften und Jugendlichen, das Hitler-Regime zu bekämpfen. Wichtig: Die Ausstellung hat auch Meerbusch-Bezug. “Wir haben es hier bei uns mit einer ganz besonderen, rheinischen Form des Widerstandes im Kleinen zu tun, einer Art bewusster Nonkonformität und zivilen Ungehorsams.” Beispiel: Den Pfarrgemeinden sei durch die NSDAP-Schikaneure nicht nur die Benutzung der historischen Prozessionswege an Fronleichnam untersagt worden, sondern auch jeglicher Straßenschmuck. Die Gläubigen mussten andere Wege ziehen. Ungeachtet der Verbote und sehr zum Ärger der Nationalsozialisten seien die “Umleitungs”-Straßen beflaggt und geschmückt worden. Das Quellenmaterial des Stadtarchivs zu diesen Ereignissen ist dünn. “Hier wurde offenbar schon kurz nach dem Krieg einiges bereinigt”, so Regenbrecht. Weitere Unterlagen musste er deshalb in Zusammenarbeit mit dem Hauptstaatsarchiv und den Meerbuscher Pfarrarchiven zusammentragen.

Die Ausstellung an der Karl-Borromäus-Straße 2a in Büderich ist montags bis donnerstags von 8 bis 16 Uhr und freitags von 8 bis 13 Uhr geöffnet. Zusätzlich ist es möglich - zum Beispiel für Gruppen oder Schulklassen - individuelle Termine zu vereinbaren. Ansprechpartner ist Stadtarchivar Michael Regenbrecht unter der Telefonnummer 02132 / 769 680 oder unter E-Mail michael.regenbrecht@meerbusch.de.