Artikel aus den Rathaus-Nachrichten......
Artikel vom: 04/03/2008

Amphibienschutzaktion von Umweltamt und Naturschutzbund
 
 
 
Asphalt überwunden - Leben gerettet: Helfende Hände
tragen tausende Erdkröten sicher zum Laichgewässer

"Hier ist sogar ein Molch mit drin", ruft Philip und schleppt stolz einen schwarzen Plastikeimer voller Erdkröten herbei. Gemeinsam mit seiner Mutter Carola Neugebauer und der Osterather Naturschützerin Helga Zerulla rettet Philip derzeit jeden Morgen vor der Schule jede Menge Leben - Erdkrötenleben nämlich. In Zusammenarbeit mit dem Fachbereich Umwelt der Stadtverwaltung hat der Naturschutzbund (NABU) entlang des Grünen Weges an der Therapieklinik in Osterath Mitte März rund 320 Meter kniehohen Krötenzaun aufgestellt. Die grüne Fliesbespannung stoppt den Weg der Tiere und leitet sie zu in die Erde eingelassenen Eimern. Dort harren die Tierchen aus, bis sie sie allmorgentlich von helfenden Händen sicher über die Straße getragen werden. Devise: Asphalt überwunden, Leben gerettet.

Mit den ersten wärmeren Frühjahrstagen machen sich auch im Meerbuscher Stadtgebiet ganze Heerscharen von Amphibien von ihren Winterquartieren im Wald oder in Gehölzstreifen auf den Weg zu ihren angestammten Laichgewässern. Gefährlich wird es für die Tiere, wenn die nächtliche Wanderung sie über Straßen oder Wirtschaftwege führt. Und das ist in dicht besiedelten Gebieten die Regel. "Zum einen bewegen sich Kröten relativ langsam fort, zum anderen nehmen sie eine Schreckstellung ein, wenn sie vom Scheinwerferlicht herannahender Autos angestrahlt werden oder sonst eine Gefahr droht", erklärt der Lank-Latumer Wolf Meyer-Ricks, Vorsitzender des NABU im Rheinkreis Neuss.

Ziel der Kröten, die im Wald zwischen Strümp und Osterath überwintern, sind die Baggerseen an der St.-Mauritius-Therapieklinik. Auf der Hälfte ihrer Wanderstrecke müssen sie den Grünen Weg passieren. Obwohl der Wirtschaftsweg eine Anliegerstraße ist, in der Vergangenheit Jahr für Jahr etliche Tiere von Autos oder Traktoren überrollt. Seltene Berg- und Teichmolche teilten das Schicksal. Vor drei Jahren wiesen engagierte Anwohner den Naturschutzbund und das Umweltamt auf das traurige Ende der Erdkröten hin. In einer Blitzaktion wurde der erste Krötenzaun errichtet, seitdem hat sich die Lage der Amphibien mehr als deutlich gebessert. „Da wir jedes Tier zählen, können wir uns nun auch ein Bild über die Größe und die Zusammensetzung der Population machen“, freut sich Wolf Meyer-Ricks. Die Zahlen sprechen für sich: Konnten die Tierschützer im Jahr 2005 noch rund 2.000 Tiere aufsammeln und sicher ans Seeufer bringen, waren es 2007 schon 3.500 Exemplare. In diesem Frühjahr sind es schon wieder tausend mehr. Für Helga Zerulla ist auch das ein Stück Motivation, jeden Morgen mit dem Fahrrad zum Grünen Weg zu fahren. "Man sieht den Erfolg, und das macht zufrieden." Helferinnen und Helfer kann die Osteratherin freilich dennoch gebrauchen: Wer bei dem Krötentransport oder bei Wartung und Ausbesserung des Krötenzaunes helfen möchte, kann sich gerne bei Helga Zerulla (Telefon 02159 / 3669) melden.