Artikel aus den Rathaus-Nachrichten......
Artikel vom: 02/16/2004

Schülerpraktikanten entdecken das Stadtarchiv
 
 
 
Von wegen “trocken”: Zwischen Zeitungen
und Plakaten lebt die Stadtgeschichte

“600 Plakate haben wir jetzt durch”, sagt Stefanie Bister und lächelt. “Alle registriert und aufgelistet.” Gemeinsam mit Christoph Schiffer absolviert die 16-jährige Schülerin des Mataré-Gymnasiums ein zweiwöchiges Berufspraktikum im Stadtarchiv an der Karl-Borromäus-Straße. Das Praktikum, das erste Einblicke ins Berufsleben vermitteln soll, gehört in der Stufe 11 verbindlich zum Lehrplan. Rund 30 Schülerpraktikanten klopfen pro Jahr bei der Stadtverwaltung an. Stadtarchivar Michael Regenbrecht freut sich über die jungen Helfer. “Die Schüler lernen hier das Alltagsgeschäft, aber auch das Selbstverständnis eines modernen Archivs kennen. Gut angeleitet sind sie mir außerdem eine echte Hilfe.”

Was ist überhaupt ein Archiv? Auf welchen rechtlichen Grundlagen arbeitet es? Wie kann man es sinnvoll nutzen? Die Fragen klingen banal, sind aber für die weitere Ausbildung der Schüler durchaus nützlich. Klassische Recherche und der Umgang mit verschiedenen Medien gehören zum erfolgreichen Lernen. “Bestände erfassen und dokumentieren, Zeitungen auswerten, Findbücher anlegen. Das sind Fähigkeiten, die auch für das Berufsprofil Medien- und Informationsdienstleister im weiteren Sinne interessant sind”, erklärt Regenbrecht.

Die Schüler denken freilich heute noch nicht so weit und suchen sich ihre Praktika ganz nach Neigung aus – oder auf gut Glück. “Schließlich ist es ja gar nicht so einfach, überhaupt eine Stelle zu bekommen”, meint Stefanie Bister. Klassenkameraden seien nach langer Suche beim Tierarzt, im Hotel oder Friseursalon gelandet. Christoph Schiffer aber hatte sich ganz bewusst an die Zentralen Dienste der Stadtverwaltung gewandt. “Ich würde später gern im Jugendamt arbeiten. Mal sehen, ob’s was wird.”

Stefanie und Christoph waren vom Alltagsgeschäft im Stadtarchiv positiv überrascht – von wegen nur Staub und Akten. 130 Archivbesucher allein in den ersten sechs Wochen des neuen Jahres zeugen von Leben und regem Bürgerinteresse. So wird im Praktikumsbericht, den die beiden nach zwei Wochen vorlegen müssen, sicher manche Überraschung stehen.

“Vor allem sind die Jugendlichen entgegen aller Vorurteile auch an Stadtgeschichte interessiert. Das finde ich klasse”, freut sich Michael Regenbrecht. Nachdem die Resonanz auf Angebote des Stadtarchivs in den Meerbuscher Schulen bislang eher mäßig war, will der 49-Jährige nun über die Praktikanten neue Kontakte aufbauen. “Das Archiv ist für den Unterricht eine regelrechte Fundgrube, die genutzt werden sollte.” Finden die Lehrer mit ihren Klassen nicht an die Karl-Borromäus-Straße, kommt das Archiv ihnen gern auch mal entgegen. Die von Regenbrecht im letzten Jahr präsentierte Ausstellung “Widerstand gegen den Nationalsozialismus 1933 bis 1945” soll noch in diesem Jahr im Meerbusch-Gymnasium aufgebaut werden.