Artikel aus den Rathaus-Nachrichten......
Artikel vom: 02/18/2004

Ehrenpatenschaft des Bundespräsidenten für Osterather Zwillinge
 
 
 
Bürgermeister als “Glücksbote”:
Michael, Jakob und ihr prominenter “Patenonkel”

Dem Volk der Deutschen droht die Überalterung. Tendenz: Nachwuchsmangel. Sollten sich alle jungen Paare überraschend ein Beispiel an den Wiesenthals aus Osterath nehmen, müssten die Statistiker allerdings manche demografische Prognose über den Haufen werfen. Mit den Zwillingen Michael und Jakob bekamen Thomas und Astrid Wiesenthal im vergangenen Oktober die Kinder Nummer 6 und 7. Neben den Geschwistern Jan, Lukas, Philipp, Hanna und Miriam, neben glücklichen Eltern und einer großen Verwandtschaft haben die Kleinen jetzt auch noch einen prominenten “Patenonkel”: Bundespräsident Johannes Rau persönlich.

Auf Antrag der Eltern, einzureichen beim Standesamt, übernimmt der Bundespräsident die Ehrenpatenschaft für das siebente Kind einer Familie. Die Ehrenpatenschaft hat in erster Linie symbolischen Charakter. “Der Bundespräsident bringt auf diese Weise die besondere fürsorgende Verpflichtung unseres Staates für kinderreiche Familien zum Ausdruck. Sie soll auch sichtbar die besondere Bedeutung herausstellen, die Familie und Kinder für unser Gemeinwesen haben”, heißt es in der offiziellen Patenschaftserklärung aus Berlin.

Insgesamt wurden seit 1949 knapp 70.000 Ehrenpatenschaften übernommen. Stellvertretend für Johannes Rau fuhr jetzt Bürgermeister Dieter Spindler am Käthe-Kollwitz-Weg in Osterath vor, um die Urkunden und das übliche Geldgeschenk des Bundespräsidenten zu überreichen – “als Startkapital für eine gute Zukunft Ihrer Söhne.” Für Thomas und Astrid Wiesenthal ist die Patenschaft mehr als nur eine behördliche Geste. “Wir lieben unsere Großfamilie”, sagt die Mutter und lächelt. Schließlich sei sie selbst mit immerhin vier Geschwistern aufgewachsen. Und den Bürgermeister habe man auch nicht alle Tage im Haus. “Organisation und Logistik sind alles, wenn es darum geht, den Alltag mit sieben Kindern zu meistern”, sagt Vater Thomas. In der Tat geht’s bei den Wiesenthals heiter-locker, aber doch diszipliniert zu. Jeder kennt seine Aufgaben und hilft mit. “Stimmt”, nicken Jan (11) und Lukas (10) – dabei reichen sie ihren kleinen Brüdern liebevoll das Fläschchen. Alles geht seinen geregelten Gang, und spätestens um 20.30 Uhr ist “Zapfenstreich” für alle. Aus Hilden zog die Familie 1995 nach Meerbusch, in Osterath konnten sie nach zweijähriger Suche endlich ein Eigenheim bauen, das der Familiengröße entsprach. “Hier kommen wir gut klar, für alle ist Platz”, sagt Thomas Wiesenthal zufrieden. Bei Familienfeiern mit meist mehr als 30 Gästen werde halt eine lange Tafel quer durch Ess- und Wohnzimmer aufgebaut.

Rein statistisch gesehen gehören die Wiesenthals in Meerbusch erwartungsgemäß zu einer Minderheit. Von den rund 17.900 im Stadtgebiet gemeldeten Familien haben nur sechs mehr als fünf Kinder. 15 Familien haben fünf, 115 vier und 596 drei Sprösslinge. Das “Standardmodell” mit zwei Kindern ist in Meerbusch rund 2.430 mal vertreten, rund 3.000 Familien haben sich für nur ein Kind entschieden.