Artikel aus den Rathaus-Nachrichten......
Artikel vom: 03/30/2006

Von Giebel bis Ziegel: Gestaltungssatzungen in der Diskussion
 
 
 
Die Stadt braucht ein Gesicht: Bauen
zwischen Maßgabe und individueller Freiheit

Wie gibt man einem Neubaugebiet ein städtebaulich ansprechendes Gesicht? Wie weit darf der individuelle Spielraum des Bauherrn reichen? Welche Einflussmöglichkeiten hat die Stadt, und wie weit soll sie diese ausschöpfen? Mit Fragen wie diesen beschäftigt sich in Meerbusch die “Arbeitsgruppe Gestaltungssatzungen”. Dem Gremium gehören Vertreter aller Ratsfraktionen und Fachleute aus dem Technischen Dezernat der Stadtverwaltung an. Die Diskussion um das ideale städtebauliche Gesicht des Neubaugebietes “Am Strümper Busch” hatte Ende letzten Jahres zur Bildung der Arbeitsgruppe geführt. Hintergrund: Gestaltungssatzungen, die der Stadtrat verbunden mit einem Bebauungsplan oder als gesonderte Satzung beschließen kann, legen zum Beispiel Dachformen und –farben, die zu verwendenen Baumaterialien oder auch die Art der Einfriedung des Grundstücks mit Hecke, Zaun oder Mauer fest. Ziel der Satzungen ist es, einen gesunden Mittelweg zwischen trister Einheitsbauweise und wild ins Kraut schießenden Architekturstilen zu markieren.

Nichts bringt bei der Entscheidungsfindung weiter als der Blick in die Praxis: Deshalb machte sich der Arbeitskreis jetzt unter Führung des Technischen Beigeordneten Michael Nowack auf den Weg zu einer Samstagsexkursion zu “aussagefähigen” Baugebieten in der Umgebung. Die Reise ging über das neue Siedlungsgebiet Neuss-Allerheiligen zu den Jüchener Dörfern Garzweiler, Priesterath, Neu-Otzenrath und Neu-Holz. Nach einer Erbsensuppe im Café von Schloss Dyck nahm die Gruppe schließlich das Willicher Neubaugebiet Wekeln in Augenschein. “Besonders die komplett umgesiedelten und neu erbauten Dörfer am Tagebaugebiet bieten im Positiven wie im Negativen besten Anschauungsunterricht”, so Michael Nowack. “Das war sicherlich für manchen beeindruckend.”

Nowack sieht die kommunalen Gestaltungssatzungen als wichtiges Instrument für die städtebaulichen Entwicklung insgesamt. “In Wohnbaugebieten auf der grünen Wiese ist der Gestaltungsspielraum weiter, in Ortskernen mit gewachsenem Gesicht und vielen Baudenkmälern müssen die Vorgaben tiefer sein, damit das Gesamtbild nicht leidet.”

Die Fraktionen im Rat neigen derzeit mehrheitlich dazu, den Bauherrn gebührende gestalterische Freiheit einzuräumen. “So wenig Einflussnahme wie möglich, so viel wie nötig”, lautet die Botschaft der CDU. Die Sozialdemokraten denken über einen Ansatz nach, der der gesamten Stadt ein städtebaulich unverwechselbares Gesicht schenken könnte. FDP und Grüne plädieren für mehr Freiheit und weniger behördliche Regelungen.

Nach den Osterferien wird die Gruppe ihre Arbeit fortsetzen.