Artikel aus den Rathaus-Nachrichten......
Artikel vom: 06/01/2006

Probleme mit deutschrussischen Jugendlichen
 
 
 
Sozialpädagogisches Integrationskonzept
angedacht: Sondersitzung am 21. Juni



Nach den zunehmenden Schwierigkeiten mit deutschrussischen Jugendlichen in Osterath wollen Politik und Verwaltung mit einem breit vernetzten und langfristig angelegten Integrationsprojekt Abhilfe schaffen. Dafür sollen auch finanzielle Mittel eingesetzt werden. In einer gemeinsamen Sondersitzung von Jugendhilfe- und Sozialausschuss am 21. Juni sollen zwei sozialpädagogisch fundierte Konzeptionen aus Düsseldorf und Neuss vorgestellt werden, die auch für die Umsetzung Meerbusch sinnvoll erscheinen. Das ist der Konsens einer Sitzung der “Arbeitsgruppe Jugendhilfeplanung”, die am Mittwochabend in Osterath zusammenkam. Die Gruppe setzt sich aus Mitgliedern des Jugendhilfeausschusses, aber auch aus Vertretern von Stadtverwaltung, Polizei und Jugendeinrichtungen zusammen.

Reinhard Lenzen, Leiter der Polizei Meerbusch, berichtete, dass es in Osterath in den vergangenen 14 Monaten rund 40 “Vorkommnisse” mit jungen Spätaussiedlern gegeben habe, die Polizeieinsätze nach sich zogen. Die meisten Delikte seien in den Bereich der Ruhestörungen einzuordnen, zweimal habe es aber auch Fälle von schwerer Körperverletzung gegeben. Lenzen räumte ein, dass die Probleme mit deutschrussischen Jugendlichen durch restriktive polizeiliche Maßnahmen allein nicht zu lösen seien. Zu erreichen sei auf diese Weise lediglich ein Verdrängungsprozess, der nicht nachhaltig helfe. Parallel dazu müsse deshalb ein sozialpädagogischer Ansatz her. “Wir brauchen jetzt einen Türöffner, der uns Zugang zu den Jugendlichen verschafft”, so der Wachleiter.

Zur Diskussion steht nun einerseits eine Zusammenarbeit der Stadt mit dem gemeinnützigen Verein “Akzeptanz, Vertrauen, Perspektive” (AVP), der sich in Düsseldorf und Mettmann erfolgreich um die Integration jugendlicher Immigranten aus den GUS-Staaten bemüht. Der Verein wird vom NRW-Ministerium für Arbeit und Soziales gefördert. Die zweite Variante wäre, sich der Erfahrungen des Sozialdienstes Katholischer Männer (SKM) Neuss zu bedienen. Der SKM betreibt bereits seit einigen Jahren ein breit angelegtes Integrationsprojekt mit deutschrussischen Jugendlichen im Neusser Stadtteil Erfttal (6.000 Einwohner, 55 Nationen). Möglich wäre auch eine kombinierte Kooperation mit beiden Organisationen.

Sowohl AVP als auch SKM setzen deutschrussische Sozialarbeiter ein, die den unmittelbarem Kontakt mit den Jugendlichen vor Ort pflegen und auch die herkunftsbedingten Mentalitätsunterschiede und Probleme genau kennen. Wichtig ist beiden die vernetzte, enge Zusammenarbeit mit städtischen und kirchlichen Jugendeinrichtungen, mit freien Trägern, Kommune und Polizei. Der AVP entwickelt nach einer gründlichen Bestandsanalyse vor Ort ein individuelles Konzept, das den Jugendlichen mehr Selbstverantwortung, berufliche Orientierung, aber auch mehr Sprachsicherheit vermitteln soll. Das AVP-Projekt erfordert pro Jahr einen Kostenaufwand von rund 13.800 Euro.

Bürgermeister Dieter Spindler wünscht sich von der Politik eine Entscheidung noch vor den Sommerferien, damit die Arbeit zügig anlaufen kann.