Artikel aus den Rathaus-Nachrichten......
Artikel vom: 05/07/2004

Auf der Kreisstraße 1 am Herrenbusch häufen sich die Wildunfälle
 
 
 
Jagdpächter und Forstverwaltung schlagen Alarm:
Hunde hetzen Rehwild in den Tod

“Wenn bei mir das Telefon klingelt, und die Polizeiwache Meerbusch ist dran, weiß ich schon Bescheid, was los ist”, sagt Karl-Wilhelm Paschertz aus Bösinghoven. “Ich soll an der K1 wieder ein totgefahrenes Reh abholen.” Die Tragödien an der Kreisstraße zwischen Lank-Latum und Ossum häufen sich: 13 Mal musste der Landwirt und Jagdpächter des Herrenbuschs seit Dezember letzten Jahres tote oder schwer verletzte Tiere bergen. “Hier droht Mensch und Tier gleichermaßen Lebensgefahr, vom materiellen Schaden mal ganz abgesehen.” Die Zahl der registrierten Wildunfälle in diesem Bereich ist steigend. Kamen in den Vorjahren duchschnittlich drei bis vier Tiere im Straßenverkehr um, sind es heute drei bis vier Mal so viele. Bei einem geschätzten Bestand von etwa 30 Tieren ist absehbar, wann das letzte Reh aus dem Herrenbusch verschwunden ist. Die Ursache haben Jagdpächter und städtische Forstverwaltung unisono durch persönliche Beobachtung im Wald ausgemacht: “Immer mehr Hundehalter lassen ihre Tiere im Wald frei laufen”, erklärt Rolf Schmidt, Fachbereichsleiter für Grünflächen im Technischen Dezernat der Stadtverwaltung. “Gerade wenn bei größeren Hunden der Jagdinstinkt durchbricht, hilft auch kein Rufen und Pfeifen mehr.” Fatal: Das Rehwild wird aufgeschreckt und flüchtet in Panik aus den Ruheverstecken Richtung Straße – und hier allzu oft in den sicheren Tod. Autofahrer sehen die aus den Buschinseln plötzlich auf die Fahrbahn laufenden Tiere meist zu spät. Traurig: Gerade im Mai bleiben nicht selten die soeben geborenen Kitze allein zurück und gehen qualvoll zu Grunde.

Dazu passt eine weitere bedenkliche Entwicklung: Immer mehr Menschen verlassen im von vielen erholungssuchenden frequentierten Herrenbusch die markierten Wege und treten Trampelpfade bis in entlegenste Rückzugsgebiete des Wildes. Wieder werden die Tiere gestört und verscheucht. Die Folgen sind bekannt.

Intensive Kontrollgänge im Wald durch Jäger oder städtische Forstarbeiter sind schon aus personellen Gründen nicht machbar. Rolf Schmidt setzt deshalb notgedrungen weiter auf den Faktor Aufklärung und Selbstkontrolle durch andere Passanten. Immerhin lässt der Gesetzgeber keinen Zweifel daran, was im Wald erlaubt ist und was nicht. “Wer den Wald betritt, hat sich so zu verhalten, dass die Lebensgemeinschaft Wald und die Bewirtschaftung des Waldes nicht gestört, der Wald nicht gefährdet, beschädigt oder verunreinigt wird (...)”, heißt es im Paragrafen 2 des Landesforstgesetzes. Das freie Laufenlassen von Hunden im Wald stellt das Gesetz konkret unter Strafe.

“Auf ihr Fehlverhalten angesprochen reagieren die meisten Hundehalter trotzdem uneinsichtig”, weiß Karl-Wilhelm Paschertz aus Erfahrung. Das in früheren Zeiten übliche Erschießen von wildernden Hunden hält aber auch der Jäger für nicht mehr angemessen. “Ich habe selbst einen Hund und weiß was das bedeutet.”

Die Forstarbeiter der Stadt wollen nun zumindest des Herumlaufen in sensiblen Zonen des Waldes unterbinden. Trampelpfade werden gezielt umgepflügt und mit gefällten Bäumen blockiert. Rolf Schmidt appelliert aber auch an die Autofahrer: “Auf der K1 sollte man gerade jetzt wachsam und nicht zu schnell zu fahren.”