Artikel aus den Rathaus-Nachrichten......
Artikel vom: 06/16/2004

Am Pumpwerk Kierster Straße wird jetzt ökologisch gearbeitet
 
 
 
Neue Methode der Abwasserbehandlung:
Schilf und Sand sorgen für sauberes Nass

Die Bewältigung von Abwasser und Regenwasser gehört nicht nur in Meerbusch zu den kommunalen Mammutaufgaben. In den Bau vorschriftsgemäßer Kanäle, Pumpwerke oder Rückhaltebecken fließen alljährlich Millionen – von der Bevölkerung häufig unbemerkt, weil die meisten Bauwerke unter der Erde liegen.

Jetzt wird an der Pumpstation an der Kierster Straße gebaut: Gleich neben dem unscheinbaren Gebäude mit den rot-weißen Läden mitten im Feld zwischen Lank-Latum und Kierst entsteht ein neues, so genanntes Retentionsbodenfilterbecken. In dem Becken werden künftig auf natürliche Weise, ohne Einsatz von Chemie, Abwässer gefiltert und wieder dem Wasserkreislauf zugeführt. “Diese ökologische Vorgehensweise entspricht genau unserem Ziel”, so Wolfgang Trapp, Leiter des Fachbereiches Straßen und Kanäle im Technischen Dezernat der Stadtverwaltung. “Wir müssen weniger Wasser in die Kläranlage bringen und reichern außerdem unsere Oberflächengewässer wieder an.”

Hintergrund der Baumaßnahme: Für das Regenüberlaufbecken an der Kierster Straße läuft Ende des Jahres die Einleitungsgenehmigung für den “nicht klärpflichtigen Mischwasseranteil” in den Langenbruchbach aus. Das Staatliche Umweltamt hat einer neuen Genehmigung nur unter der Voraussetzung zugestimmt, dass die Stadt diesen Wasseranteil vor der Einleitung in den Bach reinigt. Also musste reagiert werden.

Ein Retentionsbodenfilter ist ein mit Filtersand gefülltes Erdbecken, dass mit Schilf bepflanzt ist. Bei starkem Regen wird Wasser in das Becken eingeleitet, sickert durch die Schilf- und Sandschicht und wird über eine Drainage und eine Regleranlage gleichmäßig dosiert in den Vorfluter eingeleitet. Das Land Nordrhein-Westfalen fördert diese recht neue Art der Abwasserbehandlung gezielt und bezusschusst die neuen Anlagen mit bis zu 70 Prozent. Der Bau an der Kierster Straße kostet 1,4 Millionen Euro, 30 Prozent davon zahlt die Stadt selbst. “Ein positiver Effekt ist, dass der genehmigte Einleitungsanteil von 35.000 Kubikmetern pro Jahr auf rund 85.000 Kubikmeter heraufgesetzt worden ist”, erklärt Georg Bahners, der die Baumaßnahme im Fachbereich Straßen und Kanäle abwickelt. “Somit muss die Stadt rund 50.000 Kubikmeter weniger Abwasser zur Kläranlage weiterleiten und bezahlen.”

Beauftragt mit dem Bau des Retentionsbodenfilterbeckens ist ein Fachunternehmen aus Heinsberg, die Pflanzarbeiten sind noch nicht vergeben. In etwa elf Monaten soll alles fertig sein. Nach der Bepflanzung benötigt das Schilf noch eine Vegetationsperiode zum Anwachsen, bevor der Bodenfilter in Betrieb gehen kann. Dahinter steckt auch jede Menge bürokratischer Aufwand: Der Genehmigungsprozess bei der Bezirksregierung Düsseldorf dauerte über ein Jahr, der Schriftverkehr füllt mehrere Aktenordner.