Artikel aus den Rathaus-Nachrichten......
Artikel vom: 06/27/2005

"Prozessionsspinner”: Eine haarige Raupe sorgt für Aufregung
 
 
 
Auf Schulhöfen und Spielplätzen:
Nester in Eichenkronen werden systematisch ausgebrannt

Er zieht in Prozessionen von Baum zum Baum und macht sich gierig über junge Triebe her. Die milden Winter der vergangenen Jahre haben ihm massenweise Nachwuchs beschert. Die Rede ist vom Thaumatopoea processiona Linnaeus, zu deutsch “Eichenprozessionsspinner”. Der Forstschädling, eine Raupe, die sich bevorzugt auf Eichen aufhält, hat jetzt auch die Fachleute der Stadtverwaltung auf den Plan gerufen. Der Grund: Die feinsten Härchen der Raupe können beim Menschen allergische Reaktionen wie Hautausschlag und in seltenen Fällen auch asthmatische Beschwerden hervorrufen.



Forstarbeiter des Fachbereichs Grünflächen untersuchen deshalb zurzeit systematisch Grünanlagen an Spielplätzen, Kindergärten und Schulen. Ergebnis: Die Verbreitung der Tiere ist stärker als im letzten Jahr. Rund 30 entdeckte Nester wurden verklebt und dann ausgebrannt. Die Kontrollen laufen weiter. Als nächstes sind die Pappelallee und der angrenzende Sportplatz in Lank sowie der Hallenbadpark in Büderich an der Reihe. “Wir konzentrieren uns auf den öffentlichen Raum, weil hier die meisten Menschen unterwegs sind”, sagt Heiko Bechert, Leiter des Fachbereiches Sicherheit, Ordnung und Umwelt der Stadt. “Aber natürlich muss auch jeder selbst das Seine hinzutun.” Besonders Kinder sollten von Eichen ferngehalten und über die Raupen aufgeklärt werden. Für Privatleute, die in ihrem eigenen Garten Eichenprozessionsspinner entdecken, halten die Umweltfachleute der Stadtverwaltung Adressen von Fachfirmen bereit, die die Nester entfernen. Auskünfte gibt es am Umwelttelefon der Stadt Meerbusch 916 191. Ein Info-Blatt über den Eichenprozessionsspinner kann beim Landesamt für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz angefordert werden.

Das Gesundheitsamt im Rheinkreis Neuss informiert in diesen Tagen die heimischen Ärzte über die Raupenplage, damit die nach dem Kontakt mit den Tieren aufgetretenen Symptome schneller identifiziert werden können


Das Stichwort: Eichenprozessionsspinner

Die Eigelege finden sich an kleinen Ästen in der Baumkrone und sind so gut getarnt, dass sie vom Boden aus praktisch nicht entdeckt werden können. Ende April bis Anfang Mai schlüpfen die Larven gleichzeitig mit dem Austreiben der Blätter.

Den Namen Prozessionsspinner verdanken die Tiere ihrer Gewohnheit, in der Nacht aus ihren Nestern in die Baumkrone zu "prozessieren", um sich dort von den Blättern zu ernähren. Am Morgen kehren sie im "Gänsemarsch" wieder in ihre Behausung zurück. Nach dem letzten Larvenstadium verpuppen sich die Insekten und verlassen das Nest im Juli als unscheinbare, graubraune Motten. Nach der Befruchtung legt das Weibchen bis zu dreihundert Eier in einem Eigelege ab.

Ab der dritten Raupengeneration dieses Kleinschmetterlings bilden die Tiere Gifthaare (sog. Setae) aus, die ein Eiweißgift enthalten. Dieses ist für die verschiedenen Krankheitssymptome verantwortlich.

Die meisten Reaktionen, die durch die Gifthärchen von Eichenprozessionsspinnern hervorgerufen werden, sind nach Angaben von Medizinern zwar unangenehm, aber verflüchtigen sich schnell. Zumeist genügt eine Behandlung mit kortisonhaltigen Salben, Crems oder Augentropfen und Tabletten, die gegen die Allergie wirken.