Artikel aus den Rathaus-Nachrichten......
Artikel vom: 02/19/2004

Spindler gab auf: Jecken entschieden den Kampf ums Rathaus für sich
 
 
 
Trotz Wasserbomben: Prinz Günter schwebte
per Hebebühne ins Zentrum der Macht

Für Jecken und Möhne kein Zutritt – wir warten draußen”. Die Hinweisschilder am Eingang des Rathauses an der Dorfstraße ließen keinen Zweifel: Die Mannschaft um Bürgermeister Dieter Spindler würde das Zepter der Regentschaft über Meerbusch nicht kampflos der johlenden Narrenschar übergeben. “Den Rathausschlüssel müsst ihr euch erst verdienen”, rief der Verwaltungschef vom Rathausbalkon in die Menge und schleuderte dem Nierster Prinz Günter Wolters eine Wasserbombe entgegen. Der zeigte sich von der derben Begrüßung allerdings wenig beeindruckt und ließ einen schweren Ford-Traktor mit Hebebühne vorfahren. Nierst ist halt nicht nur die Karnevals- sondern auch die Landwirtschaftshochburg in Meerbusch.

Eine hellblaue Rauchwolke stob aus dem Auspuff der Zugmaschine, und schon schwebten die Tollität aus der Freien Herrlichkeit mit dem Nierster Kinderprinzenpaar Stephane Kayser und Franziska Blum und kreischender Möhnenverstärkung Richtung Rathausbalkon. Ein Schuss aus der Konfettikanone, und der Widerstand war gebrochen. Die Rathaustür wurde von innen entriegelt und das närrische Volk strömte in die “Führungsetage”. Mit Scheren bewaffnet stürmten die Weiber auf krawattenverzierte “Verwaltungshengste” zu und befreiten die Mannsbilder von den oft schon betagten “Kulturstricken”. Wer keine Schere hatte, wurde kurzerhand von den Verwaltungsdamen mit Werkzeug bedient. Weiber halten halt zusammen.

Bürgermeisterreferent Jürgen Wirtz, Weiberfastnacht traditionsgemäß “(Rat)hauskapelle”, schmiss den Riemen auf die Orgel und heizte der jecken Gesellschaft tüchtig ein. Traditionsgemäß werden die Möhnen der Katholischen Frauengemeinschaften aus Osterath und Lank, von den “Weibern” der Büdericher AWO, der Osterather KG “Fettnäppke” sowie den Karnevalsgesellschaften Heinzelmännchen, Blau-Weiß Büderich und “Kött on Kleen” Nierst unterstützt.

“Ich wohne schon 20 Jahre in Büderich und war noch nie im Rathaus”, kicherte die dunkelhaarige Susanne. “Und den Bürgermeister hab‘ ich auch noch nie gesehen.” Ein Zustand, der sich alsbald ändern sollte. Pressesprecher Michael Gorgs sammelte “Tanzkärtchen” für den Verwaltungschef – eine Chance, die sich das jecke Weibervolk nicht entgehen ließ.

Gegen 14 Uhr leerten sich dann die Räume im Rathaus, und die närrische Karawane zog zur jecken Party des Personalrats ins Technische Dezernat der Stadtverwaltung nach Lank-Latum. Wer gegen 20 Uhr noch fit war, macht sich unverdrossen auf die Reise ins nördlichste Dorf Meerbusch, nach Nierst. Im Festzelt dort steigt am Abend traditionsgemäß – wie könnte es anders sein – der große “Möhneball”.