Artikel aus den Rathaus-Nachrichten......
Artikel vom: 06/29/2006

Im Stadtarchiv ist derzeit wieder “Kassation” angesagt
 
 
 
Ärmel hoch und durch:
Aktenberge warten auf den Reißwolf

“Das sieht aber verdammt nach Arbeit aus!” Der Lkw-Fahrer, der den großen verschließbaren Papiercontainer vor dem Stadtarchiv an der Karl-Borromäus-Straße abgesetzt hat, staunt nicht schlecht. Die Berge ausrangierter Akten sieht, die sich im Gang auftürmen, sind in der Tat eindrucksvoll. Stadtarchivar Michael Regenbrecht wischt sich den Schweiß von der Stirn und packt einen neuen Stapel obenauf: “Wer uns im Moment besucht, könnte in der Tat denken, dass wir aus allen Nähten platzen oder dass das Archiv aufgelöst wird.” Überall Akten und vollgepackte Kartons. “Aber ich kann alle beruhigen”, beschwichtigt Regenbrecht. “Das sind nur die äußeren Zeichen unserer großen Entrümpelungsaktion.”

Hintergrund: Alle Materialien der Stadtverwaltung, die nach dem Landesarchivgesetz nicht dauerhaft archiviert werden müssen, werden nach Ablauf ihrer Aufbewahrungsfristen vernichtet. So wird gewährleistet, dass das Archiv nicht tatsächlich irgendwann vor dem Platzmangel kapitulieren muss. “Kassation” nennen die Archivare diesen arbeitsintensiven Vorgang. Das ganze läuft in Abstimmung mit den städtischen Service- und Fachbereichen. “Bei so einer Vernichtungsaktion können erhebliche Mengen an Papier anfallen”, weiß Regenbrecht aus Erfahrung. Allein 6.000 Akten wanderten bei der letzten Entrümpelung in den Reißwolf. Für die gesamte Stadtverwaltung herrscht während der Kassation eine Aktenzugangssperre.

“Unseren Kundenservice leisten wir natürlich weiter”, sagt Regenbrecht. Die Besucher stört das große Tohuwabohu in den Archivräumen offenbar wenig: Trotz der nicht gerade anheimelnden Umgebung fanden seit Jahresbeginn rund Interessierte den Weg in das “historische Gedächtnis der Stadt” an der Karl-Borromäus-Straße in Büderich. Vor allem die inzwischen auf etwa 2.000 Exemplare angewachsene Totenzettelsammlung und das letztes Jahr übernommene Lanker Pfarrarchiv von St. Stephanus ziehen Familien- und Heimtforscher an. “Aber auch der heimatgeschichtliche Arbeitskreis des Mataré-Gymnasiums, der der Meerbuscher Stadtentwicklung nachspürt oder Projektgruppen der Fachhochschulen Köln und Düsseldorf sind häufig unsere Gäste”, freut sich Regenbrecht. Auch Meerbuscher, die sich für die Stadtgeschichte interessieren, oder Zeitgenossen, die alte Fotos und Postkarten aus der Heimat lieben, kämen gern vorbei. “Hier ist eben immer was los.”

Hat sich der Staub der Kassation gelegt, kann sich Michael Regenbrecht wieder seinen ureigenen Aufgaben widmen. Die nächste Ausstellung kommt bestimmt.