Artikel aus den Rathaus-Nachrichten......
Artikel vom: 06/10/2005

Verkehrszählung an markanten Punkten im Stadtgebiet - Ergebnis:
 
 
 
Zunahme des Schwerlastverkehrs
durch "Mautpreller" ist nicht nachweisbar

Sind die B9 in Büderich sowie andere Bundes- und Landesstraßen in Meerbusch Ausweichstrecken für Mautpreller geworden? Viele Anwohner der Bundesstraße hatten in jüngster Vergangenheit genau diesen Eindruck und wandten sich an Stadtverwaltung und Politik. Nach Beschluss des Stadtrates hat das Aachener Ingenieurbüro IVV in den vergangenen Wochen an über zehn Punkten im Stadtgebiet fleißig Autos gezählt. Das Ergebnis wurde jetzt im Planungsausschuss vorgestellt. Die zentrale Aussage: Ein signifikanter Mehraufkommen mautpflichtiger Lastwagen ab 12,5 Tonnen zulässiges Gesamtgewicht ist nicht nachweisbar.

Wie im bundesweiten Trend habe es nach Einführung der Mautpflicht auch in Meerbusch zunächst eine Verlagerung des Verkehrs von der Autobahn auf innerörtliche Straßen gegeben. Nach einigen Wochen der Verunsicherung habe sich dies aber gelegt. Vielfach hätten die Lkw-Fahrer erkennen müssen, dass die Fahrten durch Ortschaften mehr Zeit erforderten.

Grundsätzlich, so die Aachener Verkehrsexperten, stagniere das Gesamtverkehrsaufkommen in Meerbusch. Deutlich angewachsen (plus 7 Prozent) sei allerdings der Verkehr im Einzugsbereich der A44-Anschlussstelle zwischen Strümp und Lank. Als Vergleich dienten den Statistikern Ergebnisse einer Zählung aus dem Jahr 2002. Damals sollte ermittelt werden, welche Auswirkungen die neue Rheinquerung der A44 auf die Verkehrsströme in Meerbusch hat.

Ein prinzipielles Problem bei der Ermittlung potentieller Mautpreller überlagerte auch die Untersuchungen der IVV: Mautpflichtige Lkw sind im Grunde nur durch einen Blick in die Fahrzeugpapiere zweifelsfrei zu identifizieren. Das Büro hat deshalb die Kraftfahrzeuge nach einer bundesweit üblichen Methodik erfasst: Unterschieden wurden demnach Pkw, Motorräder, Busse, Lkw bis 3,5 Tonnen, Lkw über 3,5 Tonnen sowie schwere Sattelschlepper und Lastzüge.

Dabei stellten die Aachener fest, dass der Lkw-Anteil am Gesamtverkehrsaufkommen besonders auf der B9 verglichen mit anderen deutschen Bundesstraßen mit etwa vier Prozent relativ gering ist. Bedenkenswert sei auch, dass ein nicht zu unterschätzender Anteil des Lkw-Verkehrs durch in Meerbusch selbst ansässige Betriebe und Speditionen verursacht werde. Hier sprechen die Fachleute von sogenanntem Ziel- und Quellverkehr, der in keinem Zusammenhang mit dem regionalen oder überregionalen Durchgangsverkehr steht. Zudem zögen die örtlichen Versorger - zum Beispiel Lebensmittelketten - Lieferverkehr auch mit großen Lastzügen in die Ortskerne.

Grundsätzlich sei der Lkw-Verkehr in Büderich dennoch ein Problem, weil die B9 mitten durch den Ort führe und als unmittelbare Anwohner der Straße Tag für Tag rund 3.000 Menschen belästige.

Unzweifelhaft nachgewiesen wurde zu dem, dass der Anteil der Kleinlaster und Lieferwagen um 3,5 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht stark zugenommen habe. Auch diese Erkenntnis entspricht einem Bundestrend. Kurierdienste, Dienstleister, Kleinspediteure oder Handwerker sind verstärkt auf deutschen Straßen unterwegs - häufig auch unter großem Zeitdruck. Dem entspricht die Bundesunfallstatistik, die gerade diese Fahrzeugkategorie auf Autobahnen zunehmend als Unfallbeteiligte oder gar Unfallverursacher ermittelt hat.

Nach der Vorstellung im Planungsausschuss werden die Ergebnisse der Zählung jetzt noch in den Fraktionen zur Diskussion gestellt, dann wird nochmals im Ausschuss beraten. Dass allerdings angesichts der Zahlen - wie zunächst angedacht - weitere Maßnahmen (wie zum Beispiel Luftbelastungsmessungen) in Betracht kommen, erscheint derzeit unwahrscheinlich.