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  Artikel aus den Rathaus-Nachrichten......
Artikel vom: 04/14/2005

Spindler sprach vor dem Traditionsverein "Düsseldorfer Jonges"
 
 
 
Meerbusch und die Landeshauptstadt:
Von Nachbarschaftsliebe und ihren Grenzen


Auswärtsspiele sind keine leichten Spiele – aber Auswärtstore zählen bekanntlich doppelt. Sprich: Wer sich auf fremdem Terrain nicht versteckt, wird belohnt. Diese Fußball-Weisheit hatte sich Bürgermeister Dieter Spindler bei seinem Gastspiel vor rund 300 Mitgliedern des Heimatvereins “Düsseldorfer Jonges” offenbar zu Herzen genommen. “Düsseldorf und die Nachbarschaft” hatte Spindler seinen reich bebilderten Vortrag überschrieben. Untertitel: “Meerbusch – Siedlung vor den Toren oder Insel der Glückseligen?” Wie ist es denn nun bestellt um die Nachbarschaft zwischen dem großen Düsseldorf und dem kleinen Meerbusch? “Wir schleudern keine Steine wie David gegen Goliath, aber wir sind bekanntlich auch vor Großen nicht bange”, stellte Spindler augenzwinkernd klar. Das wiederum hänge unter anderem mit der Frühgeschichte der Stadt zusammen, die gleich in den ersten Jahren von Existenzkampf gegen die Eingemeindungsbegehrlichkeiten der umliegenden Großstädte geprägt war. “Und Existenzkampf stählt, macht tapfer und selbstbewusst.”

Dazu nutzte Spindler die Gelegenheit, mit Klischees aufzuräumen, die Meerbusch zumindest aus Düsseldorfer Blickwinkel noch anhaften. Meerbusch sei längst nicht mehr allein “Siedlung vor den Toren”, sondern gefragter Wirtschaftsstandort mit über 10.000 Arbeitsplätzen. “Bei uns wird gelebt und gearbeitet.” Natürlich, so räumte Spindler ein, profitiere Meerbusch immens von der Nähe der Kultur- und Wirtschaftsmetropole Düsseldorf “im Vorgarten”, natürlich seien Verbindungen und Überschneidungen vielfältig: Durch Busse, Bahnen, Brücken und Fähre seien die Wege zueinander kurz. Der “In Treff” der Düsseldorfer Prominenz im Böhler-Kesselhaus fände – von vielen ungeahnt - auf Meerbuscher Boden statt, und ohne die Hightech-Verpackungsmaschinen der Meerbuscher Firma Teepack könne das Weltunternehmen Teekanne seinen Tee gar nicht in den Beutel bringen. Der Meerbuscher dürfe sich getrost, “mittendrin und fein raus” fühlen und bisweilen sei das Bild von der “Insel der Glückseligen” durchaus passend.

Wohl wissend, damit nicht zwangsläufig nur Beifallsstürme zu ernten, sparte Spindler auch das Reizthema Flughafen nicht aus. Meerbusch sei nicht gegen den Airport, der natürlich auch für die Nachbarn Wirtschaftsfaktor sei. Als Stadtflughafen aber seien dem Unternehmen natürliche Grenzen gesetzt. Mit der jüngst vom Flughafen beantragten Kapazitätserweiterung von 38 auf künftig 45 Maschinen pro Stunde sei die Grenze des Erträglichen überschritten. Darin sei sich die Region einig.

Eine Absage erteilte Spindler auch der unlängst in die Diskussion gebrachten Idee eines Umlandverbandes, der als neue Verwaltungsebene die Region unter einem Dach zusammenführen soll. “Bürokratie haben wir schon zur Genüge”, erklärte Spindler unter Applaus. “Wir brauchen möglichst viel Kooperation. Diese darf aber nicht zur Einschränkung der kommunalen Eigenständigkeit führen.” Und Kooperation sei immer etwas Freiwilliges. “Liebe deinen Nachbarn, aber reiße den Zaun nicht ein”, müsse die Devise gemäß einer alten Volksweisheit lauten.

Im Anschluss wurde lebhaft diskutiert, danach aber fanden die schier erdrückende Düsseldorfer Mehrheit im Saal und die kleine Meerbuscher Delegation wieder lächelnd zusammen. Das wie immer zum Ende der “Jonges-Abende” angestimmte Düsseldorfer Heimatlied sangen alle einträchtig gemeinsam.