Artikel aus den Rathaus-Nachrichten......
Artikel vom: 12/01/2004

Historischer Myriameterstein am Rhein ist restauriert
 
 
 
Zeuge preußischer Schifffahrtsgeschichte
für künftige Generationen konserviert

Was ist eigentlich ein Kleindenkmal? Richtig: ein Denkmal von geringer Größe - oftmals aber von beachtlichem historischen Wert. Zu eben jener Gattung gehört auch der sogenannte Nierster Myriameterstein, ein preußischer Rheinkilometer-Messpunkt, der vor etwa 140 Jahren in Höhe des heutigen Stromkilometers 775,5 aufgestellt wurde. Die “Central Commission für die Rheinschifffahrt” ordnete 1864 erstmals eine Gesamtvermessung des Rheinstroms an, die ihren Anfang in der Mitte der Rheinbrücke zu Basel nehmen und an der Rheinmündung enden sollte. Dazu wurden alle 10.000 Meter zu beiden Seiten des Stroms Messsteine gesetzt – sogenannte Myriametersteine (nach myria, griech. zehntausend). Viele verschwanden spurlos, 19 von ihnen sind zwischen Köln und der niederländischen Grenze noch erhalten.

Jetzt ist sicher, dass das Nierster Exemplar noch über Generationen hinweg Wind und Wetter trotzen wird. In mehrwöchiger Arbeit ist der Quader aus Ruhr- und Mainsandstein komplett restauriert worden. Die Initiative zur Rettung des Steins ging vom Lanker Heimatkreisvorsitzenden Franz-Josef Radmacher aus. Gemeinsam mit den Wirtschaftsbetrieben Meerbusch sponserte der Heimatkreis die Restaurierung. Das Konzept dazu erstellte das Rheinische Amt für Denkmalpflege.

Restaurieren heißt für die Fachleute heute aber nicht, das ursprüngliche Erscheinungsbild wieder herzustellen. “Wir verstehen unsere Arbeit als rein konservatorische Behandlung”, sagt die Kölner Diplom-Restauratorin Melanie Münchau. Will heißen: Der Ist-Zustand wird erhalten, weiterem Verfall vorgebeugt. Das bedeutet auch: Der ehemals schwarz-weiße Anstrich wurde ebenso wenig erneuert wie die völlig verwitterte Schrift. Statt dessen soll künftig eine Hinweistafel vorbeikommende Spaziergänger über den einstigen Sinn des Steins aufklären: “590 Kilometer von Basel, 234 Kilometer bis Rotterdam”, stand auf der Landseite des Steins zu lesen. Auf der sogenannten Talseite ist – allerdings fast ganz unleserlich - die Entfernung zur damaligen Landesgrenze Preussen/Holland festgehalten: 104,464 Kilometer. Richtung Süden wurde die preußische Landesgrenze zu Hessen in 227 Kilometern erreicht. Zum Rhein hin kann der Kundige gerade noch entziffern, dass es sich um den Stein Nummer LIX (59) ab Basel handelt..

In einem abschließenden Bericht ist die Arbeit der Restauratorin akribisch dokumentiert. Besonders wichtig war es zunächst, das durch etliche Rheinhochwässer unterspülte Fundament zu sichern. Und auch der teils bröselige Sandstein brauchte eine Spezialbehandlung: Grobe Verschmutzungen wurden mit Pinsel, Heißdampf, Bürste oder Skalpell beseitigt, Kieselsäure konservierte das Gestein, Harzinjektionen schlossen die Fugen, mit einem Gemisch aus Sumpfkalk, Quarzsand und Marmormehl wurden Löcher gekittet. Eine abschließende “Retusche” machte die Eingriffe unsichtbar.

Für Reinhard Lutum, Fachmann für Denkmalpflege im Technischen Dezernat, hat das Nierster Projekt Vorbildcharakter für ganz Meerbusch. Denn zahlreiche andere Kleindenkmäler wie Wegekreuze oder Bethäuschen warten noch auf die Restaurierung.