Artikel aus den Rathaus-Nachrichten......
Artikel vom: 08/15/2003

Verdorrtes Laub schnell auffegen und in Säcken sicher entsorgen
 
 
 
Verhältnisse wie im Herbst:
Schwärme von Miniermotten peinigen Kastanienbäume

Braune, schrumpelige Blätter, kahle Zweige – wer in diesen Tagen unter Kastanien spazieren geht, wähnt sich in einem fortgeschrittenen Herbstmonat. “Viele besorgte Bürger haben uns schon angerufen”, bestätigt Rolf Schmidt, Leiter des Fachbereichs Grünflächen in der Stadtverwaltung. Der bemitleidenswerte Zustand der Kastanien liegt nicht etwa an der wochenlang anhaltenden Hitze und Trockenheit. Vielmehr hat ein Schädling die grünen Schattenspender befallen: die Kastanienminiermotte. Erstmals 1984 in Mazedonien beobachtet, hat sich das Insekt inzwischen in ganz Europa ausgebreitet. “Nach Schätzungen von Botanikern sind allein in Deutschland rund 1,9 Millionen Kastanien betroffen”, so Schmidt.

Die Motte überwintert als Puppe im abgeworfenen Herbstlaub und in der oberen Bodenschicht. Sie schlüpft häufig bereit im April und legt nach zwei bis drei Wochen auf den Blattoberseiten Eier ab. Bevorzugte “Kinderstube” sind übrigens die weiß blühenden Kastanien. Anfang bis Mitte Mai schlüpfen die Larven, bohren sich in die Blätter und fressen das Innere des Blattgewebes. An den Bäumen werden die ersten Schäden sichtbar. Nach weiteren drei bis vier Wochen findet die Verpuppung im Blatt statt, zwei bis drei Wochen später schlüpfen die Falter.

“Bei günstigen Witterungsbedingungen wie jetzt wachsen drei Generationen heran”, so Schmidt. Meist färbten sich die Kastanienkronen von unten nach oben, Anfang August fielen dann die ersten Blätter. Vorsicht: Sind alle Kastanien “besetzt”, weicht die Miniermotte auch auf Bergahorn aus. Trügerisch: Im Herbst treiben die Kastanien häufig neu aus, blühen bisweilen sogar. Dennoch sind die Bäume extrem geschwächt und damit auch für andere Schädlinge anfällig.

“Alle Gegenmittel befinden sich leider noch im Entwicklungsstadium”, bedauert Rolf Schmidt. In einigen Städten und an Hochschulen liefen Versuche. Eingesetzt würden bislang lediglich Fallen mit Lockstoffen – allerdings mit hohem Aufwand und mäßigem Erfolg. Bleibt die Hoffnung auf die hungrigen Schnäbel der Meisen, aber auch auf den Appetit von Schlupf- und Erdwespen. Sind die natürlichen Feinde der Motte.

Der Fachbereich Grünflächen bemüht sich derweil in Zusammenarbeit mit dem Stadtbauhof, dem Kastanienlaub auf Bürgersteigen und Straßen Herr zu werden. Mehrere Kubikmeter Laub wurden allein im Bereich der kastaniengesäumten Lessingstraße in Büderich aufgesaugt. “Die Blätter müssen weg, bevor die Puppen auf den Boden fallen”, erklärt Schmidt. Deshalb könne er auch privaten Gartenbesitzern nur raten, schnell zu fegen. Das Laub solle tunlichst nicht im heimischen Komposthaufen gelagert oder im Garten verstreut, sondern in Säcken über die Grünmüllabfuhr entsorgt werden, damit sich die Schädlinge nicht weiter vermehren können.

Nähere Auskünfte zum Miniermottenbefall gibt es über das Sekretariat des