Artikel aus den Rathaus-Nachrichten......
Artikel vom: 03/08/2004

Am Herrenbusch entsteht ein Refugium der besonderen Art
 
 
 
22.000 junge Bäume, 1.000 Sträucher
und ein Amphibienteich fürs “Öko-Konto”

In den Kronen der jungen Rotbuchen zwitschern Feldsperlinge, aus dem nahen Teich klingt das Konzert der Frösche herüber, in einem lang gezogenen Streifen blühender Weißdornsträucher summen Insekten. Ein solches Naturidyll soll schon bald in Meerbusch Wirklichkeit werden: Zwischen Herrenbusch, Uerdinger Straße und der A44-Anschlussstelle Lank-Latum entsteht ein rund 5,2 Hektar großes Refugium, das heimischen Pflanzen und Tieren eine intakte und landschaftlich vielfältige Heimat bieten soll. Der nötige Grund und Boden gehört bereits der Stadt. Umsäumt von Wildschutzgattern werden zurzeit rund 22.000 junge Rotbuchen, Eschen und Vogelkirschen gepflanzt, etwa 1.000 heimische Sträucher wie Hasel, Weißdorn oder Schneeball bieten Tieren Unterschlupf und Nahrung. Schon im vergangenen Herbst wurde ein rund 400 Quadratmeter großer Amphibienteich mit Sumpfpflanzen angelegt. Schon in wenigen Jahren soll das Areal vollwertig angewachsen und entwickelt sein.

Hinter dem Projekt steckt das sogenannte “Ausgleichspoolkonzept” der Stadt Meerbusch, entwickelt von den Mitarbeitern des Fachbereichs Grünflächen. Hintergrund: Wer durch Baumaßnahmen in Natur und Landschaft eingreift, muss sogenannte Ausgleichsflächen schaffen, damit die Frei- und Naturräume in unserer arg zersiedelten Kulturlandschaft nicht gänzlich aufgezehrt werden. Aber wie und wo soll dies im Idealfall geschehen?

Bisher wurden Ausgleichsflächen immer in der Nähe der jeweiligen Bauvorhaben angelegt. Über ganze Stadtgebiet entstand so ein Flickenteppich verstreuter grüner Biotop-Inselchen – schön anzuschauen, aber isoliert und ohne jede ökologisch wünschenswerte Verbindung untereinander. Inzwischen aber bietet das novellierte Baugesetzbuch den Kommunen die Möglichkeit, sich schon im Vorgriff auf künftige Bauvorhaben einen Vorrat an zusammenhängender Ausgleichsfläche anzulegen. “Flächenpool” nennt das der Fachmann. Sind die auserkorenen Gebiete gestaltet und gepflanzt, bilden sie ein sogenanntes “Ökokonto”, auf dem die Stadt ein Guthaben an “Öko-Punkten” erwirbt. Diese “Öko-Punkte” werden bei künftigen Baumaßnahmen angerechnet. “So können wir Brachflächen die bislang ökologisch nutzlos dalagen, gezielt aufwerten und der Natur zurückzugeben”, erklärt Rolf Schmidt, Leiter des Fachbereichs Grünflächen im Technischen Dezernat der Stadtverwaltung. Das Ausgleichspool-Konzept ist in seinen Augen richtungsweisend für eine moderne, nachhaltige Entwicklung der Stadt.

Noch im März sollen die Arbeiten östlich des Herrenbusches abgeschlossen sein. Dann ist “Mutter Natur” am Zug, die menschliche Vorarbeit zu vereinnahmen.