Artikel aus den Rathaus-Nachrichten......
Artikel vom: 03/02/2004

Klaus F. Malinka zu Gast bei Abiturienten des Meerbusch-Gymnasiums
 
 
 
“Ein-Mann-Geschäft” Wirtschaftsförderung:
Kümmern und “Baggern” ist alles

Was ist eigentlich Wirtschaftsförderung? Und was macht überhaupt ein Wirtschaftsförderer? Klar: Ein paar grundlegende Vorstellungen hatten die angehenden Abiturienten aus den Geografie-Leistungskursen des Meerbusch-Gymnasiums schon: Mit Subventionen, Steuervergünstigungen und Arbeitsplätzen müsse das Geschäft wohl irgendwie zusammenhängen. Aber was da im Meerbuscher Rathaus tatsächlich passiert – na ja. Für Lehrerin Astrid Plass Anlass genug, mit Klaus F. Malinka, Ansprechpartner für die heimische Unternehmerschaft in der Stadtverwaltung, einen Mann vom Fach in den Unterricht einzuladen.

Mit dem eifrigen Besuch heimischer Kneipen habe Wirtschaftsförderung in Meerbusch leider nichts zu tun, stellte Malinka zu Beginn augenzwinkernd fest. Auch nicht mit Subventionen: “Davon halte ich gar nichts. Wir haben hier einen Standort, der Subventionen überflüssig macht.” Um attraktive Unternehmen in die Stadt zu holen und ihr Gedeihen vor Ort zu garantieren, seien vielmehr handfeste Standortqualitäten von Nöten: eine ideale Lage in der Region, optimale Verkehrsanbindung oder auch verlässliche Ansprechpartner in der Verwaltung.

Aber: Wozu braucht eine Stadt wie Meerbusch überhaupt Unternehmen? Damit war die interessierte Pennälerschar schon bei den drei Grundzielen moderner Wirtschaftsförderung angelangt: erstens Einnahmen für den Stadtsäckel sichern, zweitens Arbeitsplätze schaffen, drittens sogenannte Pendlerströme verringern. Will heißen: Leistungsfähige Unternehmen vor Ort zahlen Gewerbesteuer, die rund 40 Prozent der städtischen Einnahmen ausmachen, sie geben den Menschen Arbeit und Lebensunterhalt und sie ersparen ihren Mitarbeitern nervenzehrende Staufahrten in die Cities der benachbarten Großstädte.

Wie funktioniert das in der Praxis? Wie kam zum Beispiel ein “global player” wie Epson letztes Jahr ausgerechnet nach Meerbusch? “Wenn man im Schreibtischstuhl hockt und wartet, kommt gar keiner”, meinte Malinka trocken. Mit der Stadt und den Unternehmen sei es ungefähr so wie mit einem jungen Pärchen. “Wenn ein netter Typ ein Mädel anbaggert, ihr den Himmel auf Erden verspricht und sie irgendwann fallen lässt, weil er keine Zeit mehr hat, ist die Sache schnell erledigt. Das Mädel sucht sich einen neuen.” Potentielle Investoren reagierten ebenso. “Wenn man sich nicht dauerhaft kümmert, gehen sie woanders hin.” Genau das sei Wirtschaftsförderung. Ergänzt werde die “Philosophie des Kümmerns” in Meerbusch durch das “Konzept der guten Namen”. Merke: Wo einmal gute Firmen sind, kommen auch andere dazu. Zudem kümmere sich die Wirtschaftsförderung gezielt um kleine und mittelständische Firmen, auch ums Handwerk. “Denn die bilden aus und schaffen oftmals mehr Arbeitsplätze als die Großen.”

Abschließend gab Klaus Malinka für die angehenden Abiturienten noch eine schlichte, aber markante Maxime seines Jobs zum Besten: “Die Unternehmen müssen sich bei uns wohlfühlen. Dafür arbeiten wir von morgens früh für bis abends spät. Fertig.”