Artikel aus den Rathaus-Nachrichten......
Artikel vom: 04/24/2007

Dr. Herbert Schriever verlässt den Umlegungsausschuss
 
 
 
"Graue Eminzenz“ und Fachkapazität
mit Sinn für „rheinische Lösungen“

Der sogenannte „Umlegungsausschuss“ der Stadt und seine Aufgaben sind in der Öffentlichkeit weitgehend unbekannt. Seit 1970 leistet das Gremium wertvolle Arbeit für die Entwicklung Meerbuschs. Es schafft Werte – in Form von Bauland – und bereitet den Weg für Folgeinvestitionen in Millionenhöhe. Neben dem Vorsitzenden, der die Befähigung zum Richteramt besitzen muss, gehören dem Ausschuss je ein Sachverständiger für Grundstücksbewertung und Vermessung sowie zwei Ratsmitglieder an. Unterstützt wird die kleine Expertenrunde von einer Geschäftsstelle aus der Stadtverwaltung. Das ganze geschieht – so will es das Gesetz - hinter verschlossenen Türen. Alle Mitglieder sind zur absoluten Verschwiegenheit verpflichtet.

Die Arbeit verlangt Sachverstand, Feingefühl und vor allem Erfahrung. Einer, der alle drei Qualitäten geichermaßen mitbringt, zieht sich jetzt in den Ruhestand zurück – und das immerhin im stolzen Alter von 80 Jahren: Diplom-Ingenieur Dr. Herbert Schriever, zu aktiven Dienstzeiten Leiter des Planungs- und Vermessungsamtes in Krefeld, drückte dem Meerbuscher Umlegungsausschuss 37 Jahre lang seinen fachkundigen Stempel auf. Zuvor hatte er schon im gleichen Gremium des alten Amtes Lank ehrenamtlich mitgewirkt. Sämtliche wichtigen Planvorhaben der Meerbuscher Stadtgeschichte setzte Schriever als Sachverständiger für Grundstücksbewertung tatkräftig mit um. Die Ortskernsanierungen in Lank und Osterath, der Bau der Osterather Umgehungsstraße oder auch das Neubaugebiet Am Strümper Busch tragen seine Handschrift. Hintergrund: Wenn die Politik einen Bebauungsplan beschlossen hat, heißt das nicht, dass schon bald die Bagger anrollen können. Warum? Die Grundstücke in den neuen Baugebieten sind für die neue Nutzung meist völlig falsch geschnitten. Dieses Gewirr in die gewünschte Ordnung zu bringen, ist Aufgabe des Umlegungsausschusses.

„Schriever gilt im Umlegungsgeschäft als ‚graue Eminenz’ und absolute Koriphäe“, sagt Arthur Unger, Liegenschaftsexperte der Stadt und über drei Jahrzehnte mit Schriever an einem Tisch. Als Autor des bekannten Kohlhammer-Kommentars zum Baugesetzbuch ist der Krefelder nicht nur in Fachkreisen als Autorität anerkannt. Sein großes Plus: Er wird als versierter Theoretiker und lebensnaher Praktiker in Personalunion geschätzt – ein Vorzug, der den „alten Hasen“ im Bedarfsfall auch dazu befähigte, „rheinische Lösungen“ im Umlegungsgeschäft seriös und verlässlich abzuwickeln.

Die Arbeit in Meerbusch, so gibt Schriever freimütig zu, lag ihm fast 40 Jahre lang besonders am Herzen. Den Umlegungsausschuss hier verließ er nach dem Ausstieg in zehn anderen Kommunen zu allerletzt. Für Bürgermeister Dieter Spindler Grund genug, den „Umlegungspapst“ nach seiner letzten Sitzung persönlich mit herzlichem Dank und Blumen zu verabschieden. Er nannte Schriever als Fachmann und Persönlichkeit einen „Glücksfall für Meerbusch“. Schriever selbst hat künftig noch mehr Zeit, sich seinem Lieblingssport, dem Golfspielen, zu widmen oder auf seine Lieblingsinsel Mallorca zu fliegen. Sein Nachfolger im Meerbuscher Umlegungsausschuss wird sein bisheriger Stellvertreter Rudolf Kaiser aus Mönchengladbach.


Foto-Info: Abschied nach der letzten Sitzung des Umlegungsausschusses (von links): Bürgermeister Dieter Spindler, Dr. Herbert Schriever, Ausschussvorsitzender Dr. Hans-Georg Monßen und Arthur Unger, Grundstücksexperte im Technischen Dezernat der Stadtverwaltung.