Artikel aus den Rathaus-Nachrichten......
Artikel vom: 10/09/2003

Großschadensübung: Reisebusunfall im Autobahnkreuz
 
 
 
Erleichterung nach der “Katastrophe”:
Krisenstab war stets Herr der Lage

“SAE-Alarm, bitte sofort zur Feuerwache Osterath kommen!” Mit einem nüchternen Anruf aus der Einsatzleitzentrale endete am Donnerstag gegen 18.45 Uhr für die leitenden Mitarbeiter der Stadtverwaltung der Feierabend. In der Wache an der Insterburger Straße wird wenig später die erste “Lage” bekanntgegeben: “Schwerer Verkehrsunfall auf der Autobahn 57 in Höhe des Kreuzes Meerbusch. Beteiligt sind ein Reisebus mit etwa 60 Passagieren an Bord und zwei Lastwagen, einer davon mit Gefahrgut beladen. Zehn Pkw sind aufgefahren und ineinander verkeilt, zwei brennen. Zwölf Menschen sind tot, 16 schwer und 30 leicht verletzt. Etwa 50 Buspassagiere halten sich unverletzt am Unfallort auf. Polizei, Feuerwehr und Rettungskräfte sind bereits im Einsatz.”

Bei Schadensereignissen dieser Größenordnung greift in Meerbusch der sogenannte “Stab für außergewöhnliche Ereignisse” (SAE) ein. Hintergrund: Je nach Schadenslage sind die Rettungskräfte vor Ort auf Unterstützung der Stadt angewiesen. Dem Stab, den der Bürgermeister einberuft und leitet, gehören unter anderem die Leiter der Fachbereiche Sicherheit und Ordnung, Straßen und Kanäle, Grünflächen, Soziale Hilfen sowie der Pressesprecher und die Zentralen Dienste der Stadtverwaltung an. Hinzu kommen Vertreter der Polizei und der Feuerwehr sowie bei Bedarf ein Verbindungsmann der Bundeswehr.

“SAE komplett”, meldet Bürgermeister Dieter Spindler nach rund 45 Minuten an die Einsatzleitung. Erst jetzt wird es amtlich: Es handelt sich um eine Übung. Doch weiter wird “unter Strom” gearbeitet. Nach kurzer Besprechung stehen im SAE die ersten Maßnahmen fest: Zwei Busse besorgen für Abtransport der etwa 50 Unverletzten, Räume bereitstellen im Meerbusch-Gymnasium, Erstversorgung der durchnässten Menschen sicherstellen. Dazu: Leichenhalle des Friedhofs Strümp öffnen, Umfeld der Unfallstelle und des Gymnasiums absperren, Telefon-Hotline für Angehörige einrichten, Pressemitteilung versenden, Pressekonferenz anberaumen. All’ dies geschieht “real”. Die ersten in der Wache eintreffenden “Journalisten” werden in einer Adhoc-Pressekonferenz informiert, Fotografen und Kameraleute mit einem Kleinbus der Feuerwehr zum Unfallort gebracht. Binnen 20 Minuten hat der Stab die “Hochdruckphase” bewältigt.

Wenig später trifft Stadtbrandmeister Heinz Berrisch ein, um Bilanz zu ziehen. Die Zusammenarbeit habe sehr gut funktioniert, nur die Arbeitsschritte des SAE müssten für jeden einsehbar auf einer Tafel dokumentiert werden, empfiehlt er. Außerdem sei zu diskutieren, ob er individuelle Einsatz der Handys im Ernstfall ideal sei. Vom schnellen und gezielten Agieren des Stabes zeigt sich Berrisch sichtlich beeindruckt.

“Wichtig ist, dass schnell und koordiniert gehandelt wird und dass die Kommunikation aller Beteiligten optimal läuft. Das müssen wir üben”, so Bürgermeister Spindler zufrieden. “Gerade vor dem Hintergrund der jüngsten tragischen Busunglücke soll die Bevölkerung wissen, dass wir gut vorbereitet sind.”