Artikel aus den Rathaus-Nachrichten......
Artikel vom: 10/28/2005

Verspätete Flugzeuge zu “sensiblen Zeiten”: Hat der Lärm Methode?
 
 
 
Spindler: “Wenn’s an die Nachtruhe
der Menschen geht, hört der Spaß auf!”



29. September 2005, Flughafen Düsseldorf, 23:42 Uhr: Soeben landet die verspätete Maschine aus Barcelona, Flug AB 8565. Planmäßige Ankunft: 22:50 Uhr. Was als Ausnahme zulässig ist, scheint bei näherem Hinsehen Methode zu haben: Im September war Flug AB 8565 an 20 von 21 Flugtagen verspätet, zwei mal traf der Jet aus Katalonien sogar erst nach Mitternacht ein.

“Die Ausnahme wird zur Regel, das ist ein Unding”, urteilt Bürgermeister Dieter Spindler, “und beileibe kein Einzelfall.” Zwar sei es Fluggesellschaften mit Wartungsschwerpunkt in Düsseldorf erlaubt, im Falle einer Verspätung noch bis 24 Uhr ohne besondere Genehmigung auf ihrer “Homebase” zu landen. Die Zahlen des Monats September aber zeigten, dass dieses zu duldende Maß längst überschritten ist: Über 200 Maschinen schwebten nach den im Internet und Videotext für jedermann nachlesbaren Landelisten des Flughafens deutlich nach 23 Uhr in Düsseldorf ein. “So kann es einfach nicht weiterlaufen”, sagt Spindler. “Wenn es an die verdiente Nachtruhe der Menschen geht, hört der Spaß auf.”

Seine Sorge aber reicht noch weiter. Bekanntlich hat der Flughafen Düsseldorf zwischenzeitlich eine neuerliche Ausweitung des Flugbetriebes beantragt. Ein Ziel unter anderen: In der letzten Betriebsstunde von 22 bis 23 Uhr sollen statt bisher 15 Flugbewegungen im Winter- und 25 im Sommerhalbjahr künftig 45 Landungen erlaubt sein. “Die Stadt Meerbusch hat diesen Erweiterungsantrag kategorisch abgelehnt”, erinnert der Bürgermeister. Zusätzliche Landungen beträfen besonders die Menschen in Büderich, die ohnehin schon die höchste Lärmbelastung in der Stadt trügen. “Wenn dann noch Verspätungen wie im jetzt schon üblichen Umfang hinzukommen, haben unsere Bürger bis Mitternacht keine ruhige Minute mehr.”

Das Engagement der Bürgerinitiativen, die nicht nur in akribischer Kleinarbeit Flugbewegungen aufzeichnen und analysieren, sondern auch immer wieder ihrer Betroffenheit Luft machen, hält Spindler für wichtig und richtig. Am Mittwoch hatte eine Delegation aus Büderich den Bürgermeister im Rathaus besucht und ihr Leid geklagt.

Ausdrücklich begrüßt Spindler auch die Initiative von Landtagsabgeordneten, die den NRW-Verkehrsminister aufgefordert haben, dem Antrag des Flughafens die Zustimmung zu versagen. Für den Bürgermeister ebenfalls erfreulich: Wo in früheren Jahren nur Meerbusch und Ratingen Einwände vorbrachten, mache sich inzwischen eine Allianz aus allen umliegenden Städten gegen die Erweiterung stark. Dieter Spindlers Fazit: “Der Unmut wächst. Die Menschen lassen sich die ungebremste Expansion des Flughafens nicht mehr gefallen. Es gibt Grenzen, und die sind längst erreicht.”