Artikel aus den Rathaus-Nachrichten......
Artikel vom: 04/19/2004

Steinmetze restaurieren "Meilenstein" am Rheinufer bei Nierst
 
 
 
Zeuge preußischer Schifffahrtsgeschichte
wird wieder lesbar und standfest

Wie lang ist eigentlich der Rhein? Über die Antwort auf diese scheinbar banale Frage haben sich Generationen kluger Menschen den Kopf zerbrochen. Messverfahren wurden entwickelt und wegen teils haarsträubender Abweichungen wieder verworfen. Erst mit der Gründung der “Central Commission für die Rheinschifffahrt” im Jahr 1831 zeichnete sich ein Fortschritt auf dem Weg zu mehr Genauigkeit und verlässlichen Längenangaben ab. Die Kommission ordnete 1864 erstmals eine Gesamtvermessung des Rheinstroms an, die ihren Anfang in der Mitte der Rheinbrücke zu Basel nehmen und an der Rheinmündung enden sollte. Dazu wurden alle 10.000 Meter zu beiden Seiten des Stroms Messsteine gesetzt – sogenannte Myriametersteine (nach myria, griech. zehntausend).

Viele verschwanden spurlos, 19 von ihnen sind zwischen Köln und der niederländischen Grenze noch erhalten. Der letzte Messpunkt auf Meerbuscher Gebiet wird jetzt saniert. Das rund 120 Jahre alte Stück aus Ibbenbürener Sandstein steht am Rhein bei Nierst – bislang weitgehend unbeachtet Wind und Wetter ausgesetzt. Eine Steinmetzwerkstatt aus Köln wird den 1,20 Meter hohen Quader herrichten. Die Initiative zur Rettung des Steins ging vom Lanker Heimatkreisvorsitzenden Franz-Josef Radmacher aus. Gemeinsam mit den Wirtschaftsbetrieben Meerbusch sponsert der Heimatkreis die Restaurierung.

“Die Steinmetze werden zuerst die Oberfläche des Sandsteins und das vom Hochwasser ausgewaschene Fundament stabilisieren”, erklärt Reinhard Lutum, Leiter der Unteren Denkmalbehörde im Technischen Dezernat der Stadtverwaltung. Vor allem aber gelte es, die verwitterten Aufschriften wieder sichtbar zu machen. “590 Kilometer von Basel, 234 Kilometer bis Rotterdam”, stand auf der Landseite des Steins zu lesen. Auf der sogenannten Talseite ist die Entfernung zur damaligen Landesgrenze Preussen/Holland festgehalten: 104,464 Kilometer. Richtung Süden wurde die preußische Landesgrenze zu Hessen in 227 Kilometern erreicht. Zum Rhein hin kann der Kundige entziffern, dass es sich um den Stein Nummer LIX (59) ab Basel handelt und dass er gut 29,154 Meter über dem Amsterdamer Pegel steht.

1930 erstellten das Reichs- und das Preußische Verkehrsministerium eine neue, einheitliche Rheinkilometrierung. Als Nullpunkt diente fortan die Rheinbrücke in Konstanz. Auf der neuen Kilometrierung basieren auch die heutigen, schwarz-weißen Kilometertafeln am Ufer, nach denen Nierst bei Rheinkilometer 757,5 liegt. Die Myriametersteine sind längst bedeutungslos geworden. “Einen technisch-historischen Wert haben die Messpunkte dennoch”, meint Franz-Josef Radmacher, der sich auch als Mitglied der Landschaftsversammlung für den Erhalt aller Steine eingesetzt hat. Wer sich jetzt schon ausmalen möchte, wie der Nierster Myriameterquader nach der “Kosmetik” aussehen wird, kann sich auf der anderen Rheinseite umsehen. Das Gegenstück bei Wittlaer wurde auf Initiative des dortigen Heimat- und Kulturkreises bereits auf Vordermann gebracht.