Artikel aus den Rathaus-Nachrichten......
Artikel vom: 03/29/2004

"Sonnenkindergarten" wird 50: Adenauer war 1954 erster Besucher
 
 
 
Vom “kühn geplanten” Werkskindergarten
zur multikulturellen Tagesstätte

“Wir sind gekommen, um Gutes zu tun. Und für unsere Kinder ist nur das Beste gut genug.” Mit herzlichen Worten begrüßte der damalige Werksdirektor der Böhler AG, Dr. Franz Schütz, am 18. Mai 1954 die große Gästeschar, die zur Einsegnung des Büdericher Sonnenkindergartens erschienen war. Das ist nun ein halbes Jahrhundert her. Der 1972 verstorbene Dr. Franz Schütz ist inzwischen einziger Ehrenbürger Meerbuschs, der Sonnenkindergarten ist seit 1970 städtische Einrichtung. Leiterin Eva Rehms und ihr Erzieherinnen-Team, Elternrat und Förderverein stecken derweil in den Vorbereitungen für ein großes Jubiläumsfest am 1. Mai, zu dem alle Freunde des Hauses und alle ehemaligen eingeladen sind. Motto des Tages “50 Jahre und kein bisschen leise”.

Der “Sonnengarten” erregte schon am Tag der Schlüsselübergabe regionale Aufmerksamkeit – aus zwei Gründen: wegen seiner Lage und seiner Architektur. Das Haus wurde gebaut als Herzstück der Büdericher Böhlersiedlung, deren Bau 1952 begann. Das Sieben-Millionen-Mark-Projekt mit rund 300 Wohnungen für Mitarbeiter der Böhler AG galt in seiner großzügigen Gestaltung und sozialen Funktion landesweit als beispielhaft. Dazu passte der hochmoderne Kindergarten. “Kühne und völlig neuartige Bauweise”, bescheinigte die Lokalpresse dem Architekten Dr. Kuno Wasserfurth. Lichtdurchflutete Räume mit Veranden zur Südseite, pastellfarbene Gruppenräume, Fußboden- und Deckenheizung und eine ideale Hanglage an einer ehemaligen Kiesgrube, die zum Spielpark umgestaltet wurde – für die Fünfziger Jahre war dies ein wahrer Luxus. “Eine schöpferische Arbeit, die ihresgleichen sucht”, so das hohe Presselob im Mai 1954.

Die Krone der öffentlichen Wertschätzung war der Besuch von Bundeskanzler Konrad Adenauer, der das Böhler-Werk und die Böhlersiedlung mit dem Sonnenkindergarten schon vor der Eröffnung am 13. Mai 1954 Augenschein nahm. “Es tut mir gut zu sehen, welch wundervolle Früchte ihre Bemühungen tragen”, so Adenauer damals. Die soziale Fürsorge der Böhler AG für ihre Belegschaft sei vorbildlich und zukunftsweisend, die Siedlung mit dem Kindergarten ein Paradebeispiel für die Aufbaukraft des deutschen Arbeiters – “gleich ob mit den Händen oder mit dem Kopf” - und der deutschen Frau.

In späteren Jahren ging es im “Sonnengarten” weniger pathetisch zu, intensive pädagogische Arbeit stand im Vordergrund. Wegen der steigenden Nachfrage nach Kindergartenplätzen wurde das Haus 1972 erstmals von drei auf sechs Gruppen erweitert. 1996 und 1999 kamen weitere Räume für die Kinder hinzu. Heute beheimatet die Einrichtung rund 150 Kinder in sechs Kindergartengruppen und einer Hortgruppe. Der “Sonnengarten” ist untrennbar verbunden mit dem Namen Wilma Schayen. Die Büdericherin übernahm die Leitung 1964 und prägte die Philosophie des Hauses fast 40 Jahre lang bis zu ihrer Pensionierung im Dezember 2003. Internationales Flair belebt heute die Feste und Aktionen des Kindergartens, Kindermusicals gehörten ebenso zu den Höhepunkten wie das große Kinderschützenfest in der Böhler-Siedlung.

Ein Schuss Nostalgie soll das bunte Jubiläumsfest am 1. Mai prägen. Die Jungs und Mädchen feiern im Look der Gründerjahre mit, musikalische Väter und Mütter spielen in der Eltern-Bigband Hits der Fünfziger. Passend zum Geburtstag wird es eine Riesentorte geben, Bürgermeister Dieter Spindler wird zu den ersten Gratulanten gehören. Die Vorbereitungen sind längst in vollem Gange. In den nächsten Tagen werden Mitarbeiterinnen von Elternrat und Förderverein ausschwärmen, um in den Büdericher Geschäften Preise für die obligatorische Tombola zu sammeln. Vom Erlös soll ein neues Spielgerät für den Garten angeschafft werden.