Artikel aus den Rathaus-Nachrichten......
Artikel vom: 11/06/2007

Teile des ehemaligen Heimatmuseums Büderich entdeckt
 
 
 
Wertvolle Fotos gesichert: Im Stadtarchiv
beginnt jetzt die Arbeit mit der Lupe

„Eindeutig, das ist der damalige Gemeindedirektor Dr. Pöther - hier, direkt neben Dr. Franz Schütz“. Alfons Wirtz legt die Lupe weg. „Richtig“, sagt Adolf Gorgs. „Das war wohl bei der Verkehrserziehung mit Kindern auf dem Hof der Witzfeldschule.“ In der Bibliothek des Stadtarchivs sitzen die beiden alten Herren vor zwei hölzernen Karteikästen, einem Aktenordner mit Protokollen und einem Stapel vergilbter Pläne. Was Wirtz und Gorgs tun, ist für Stadtarchivar Michael Regenbrecht eine echte Hilfe. Es gilt, weit über hundert Fotos aus der Zeit der Gemeinde Büderich vor und nach dem zweiten Weltkrieg zu identifizieren. Und dafür sind die beiden Zeitzeugen, 82 und 80 Jahre alt, ausgewiesene Experten.

Durch einen Zufall sind die stadtgeschichtlich wertvollen Aufnahmen in die sicheren Hände des Archivs gelangt. Bei Entrümpelungsarbeiten in einem Keller in der Böhler-Siedlung stießen Mitarbeiter der neuen Eigentümergesellschaft auf Restbestände des alten Heimatmuseums Büderich. Das kleine Museum wurde bis in die Fünfziger Jahre hinein vom Heimatkreis Büderich in einem Gebäude der Böhler-Siedlung betrieben. „Übrig geblieben ist leider nur ein ziemliches Durcheinander“, bedauert Michael Regenbrecht. „Obendrein sind die Sachen unvollständig und nicht im besten Zustand.“ In der Tat hat vor allem jahrelanger Einfluss von Feuchtigkeit den Fotos zugesetzt, auf Karteikästen und Dokumenten liegt eine dicke Staubschicht. Regenbrecht aber ist froh, wenigstens dieses Material sichergestellt zu haben. Jetzt ist es in erster Linie nötig, die Dokumente zu identifizieren und zu dokumentieren und sicher unterzubringen, damit sie nicht weiter Schaden nehmen.

Regenbrecht interessiert sich auch für Dokument und Fotos, die Aufschluss über die betriebliche Sozialpolitik im Hause Böhler geben könnten. Daten und Fakten dazu braucht er für eine große Ausstellung im Januar. Bis auf einige Pläne der Böhler-Siedlung und Fotomaterial von Betriebsfeiern und Ehrungen hat er allerdings im jüngsten Fund noch nichts Brauchbares entdecken können.

Alfons Wirtz und Adolf Gorgs haben derweil sichtlich Freude an ihrem „Sachverständigen-Job“. Beide sind alte Büdericher, waren Jahrzehnte lang im Kreistag sowie im Gemeinde- und Stadtrat tätig und kennen ihre Heimat von Kind auf. „Guck mal hier, die Getreidemühle Wienands auf der Kanzlei! Das hier ist die alte Scheune vom Fronhof und hier - das frühere Ehrenmal gegenüber der Kirche.“ Schnell greifen beide zum Bleistift und beschriften die alten Schätzchen für die Nachwelt. Dazu gibt’s eine frisch aufgebrühte Tasse Kaffee. Dass beim Stöbern reihenweise Anekdoten und Erinnerungen aufs Tapet kommen, ist selbstverständlich. Nur die Frage, wo das steinerne Ehrenmal geblieben ist, das alle damals nur scherzhaft die „Pefferdos’ “ nannten, können die beiden auch nicht klären. Die „Forschungsarbeit“ an der Karl-Borromäus-Straße geht natürlich trotzdem weiter. In den nächsten Tagen wollen die beiden wiederkommen.