Artikel aus den Rathaus-Nachrichten......
Artikel vom: 07/18/2006

Studentinnen der Uni Düsseldorf zum Seminar im Stadtarchiv
 
 
 
“Viel spannender als gedacht”:
Wenn altes Papier auf einmal Geschichte(n) erzählt

“Das ist wirklich viel spannender als wir gedacht haben”, sagt Katja Kremendahl (Foto links) und arbeitet sich weiter tapfer durch das dicke Findbuch des Amtes Lank. Die Geschichtsstudentin von der Uni Düsseldorf absolviert derzeit mit Kommilitonin Stephanie Korsten (Foto rechts) im Stadtarchiv an der Karl-Borromäus-Straße ein Blockseminar mit dem Titel “Einführung in die Archivkunde – Archive im Rheinland”. Initiatoren der Veranstaltung sind die Universitäten Düsseldorf und Köln in Zusammenarbeit mit dem Rheinischen Archiv- und Museumsamt in der Abtei Brauweiler. 35 angehende Historiker beider Hochschulen sind in diesen Tagen unterwegs, um rheinische Archive und ihre Arbeitsweise aus der Nähe kennenzulernen. “Selbstverständlich machen wir hier gern mit”, sagt Stadtarchivar Michael Regenbrecht (Foto Mitte).

Die Betreuung der beiden Studentinnen verbucht er unter seinem selbst auferlegten “Lieblingsauftrag”: Abbau von landläufigen Vorurteilen gegen Archive – sprich, staubig, langweilig und “von vorgestern”. Bei Katja und Stephanie hat Regenbrecht mit derlei Halbwissen kein Problem, beide sind mit Eifer und Interesse bei der Sache – und dies, während Studenten anderer Fakultäten bei 30 Grad im Schatten längst im Freibad oder in südlichen Gefilden die Semesterferien genießen.

In knapper Form, so die Aufgabenstellung ihres Professors, sollen die Seminarteilnehmer zunächst das Archiv ihrer Wahl für Außenstehende beschreiben. Am Vortrag haben sie im Rahmen einer sogenannten “paleografischen Übung” erlernt, wie man alte Schriften entziffert. Knowhow, das ihnen jetzt schon nütztlich ist. Im nächsten Schritt sollen sie nun den Dokumentenbestand, seinen Erschließungsgrad und die Zielgruppen der Einrichtung beleuchten. “Ich schätze, hier werden sich die meisten Archive ähneln”, meint Stephanie Korsten. “Das wird vor allem für unseren Vortrag im Seminar weniger prickelnd sein." Stimmt.

So ist es kein Wunder, dass sich die beide Düsseldorferinnen weitaus mehr für die muntere Öffentlichkeitsarbeit des Stadtarchivs Meerbusch interessieren. Und die kann Regenbrecht mit dicker Pressemappe nachweisen: Ausstellung zur Deutschen Währungsgeschichte vor der Euro-Einführung 2002, Dokumentation zum Attentat auf Adolf Hitler (2003), Ausstellung zum 150. Geburtstag von Friedrich Freiherr von der Leyen 2004 oder die große Luftbild-Schau “Mit den Augen des Ikarus” 2005. Hinzu kamen beliebte Mitmach-Aktionen für die Meerbuscher, wie etwa die neue Serie “Erkennen Sie dieses Foto?”, das Euro-Quiz oder der Aufruf zur Totenzettel-Sammlung, die mit mittlerweile 2.000 Exemplaren an bekannte oder weniger bekannte Bürger der Stadt erinnert. Jährlich steigende Besucherzahlen bestätigen die Arbeit.

Die beiden angehenden Historikerinnen sind jedenfalls froh, in Meerbusch gelandet zu sein. “Hier ist es überschaubar, und die Betreuung ist optimal”, sagt Stephanie. Als kleines Dankeschön sind die beiden in der Mittagspause zum nächsten Bäcker geeilt. Nach dem Aktenstudium gibt’s erstmal Teilchen und Kaffee.