Artikel aus den Rathaus-Nachrichten......
Artikel vom: 06/20/2006

Bürgermeister empfing weißrussische Kinder aus Slawgorod
 
 
 
20 Jahre nach der Reaktor-Katastrophe:
Freude auf herrliche Wochen in Meerbusch

Die kleine Julia ist aufgeregt und stolz zugleich. Ihre Mutter gehörte 1990 zu den ersten Kindern aus dem weißrussischen Slawgorod, die vier Jahre nach der verheerenden Reaktorkatastrophe von Tschernobyl zum Erholungsurlaub nach Meerbusch kamen. Gemeinsam mit rund 35 Jungen und Mädchen aus ihrem Heimatort verbringt nun auch die Siebenjährige vier Wochen Ferien in Osterath. Als Nesthäkchen durfte Julia mit leicht geröteten Wangen als erste ihrer Gruppe Bürgermeister Dieter Spindler die Hand schütteln und sich für die Gastfreundschaft bedanken.



Seit 1990 holen engagierte Ehrenamtler der Evangelischen Kirchengemeinde Osterath alle zwei Jahre Kinder aus Slawgorod nach Meerbusch, die mittelbar oder unmittelbar vom Reaktorunglück in Tschernobyl betroffen sind. Die Jungen und Mädchen werden in Gastfamilien untergebracht, ein buntes Rahmenprogramm ist vorbereitet. Das gesamte Projekt ist aus Spendengeldern finanziert. Erste Station des Aufenthalts ist traditionsgemäß der Besuch beim Bürgermeister. “Ich finde es toll, dass ihr wieder hier seid und wünsche euch eine schöne Zeit bei uns”, sagte Spindler und lud die Kinder zu Limonade und Plätzchen ein.

Der 14-jährige Alexander, Fußballfan und schon mehrmals in Meerbusch zu Gast, weiß diese Art Urlaub zu schätzen. Besonders die Tage im Schwimmbad und beim Tennisclub Osterath haben’s ihm angetan. “So etwas haben wir zu Hause nicht, darauf haben wir uns schon lange gefreut.” Der Tennisclub gehört ebenso wie der Kleingartenverein, der Surfclub und die Feuerwehr zu den Osterather Gruppen, die die Kinder Jahr für Jahr zu Spiel, Sport und Besichtigung einladen. Zudem sind Besuche in Düsseldorf und Köln geplant. “Viel Zeit verbringen wir aber bewusst auch hier vor Ort und in den Gastfamilien”, sagt Jutta Haarmann, Organisatorin der ersten Stunde und bis heute verantwortlich für den Ablauf. “Das schafft Vertrauen und Geborgenheit.” Zahlreiche Freundschaften seien seit dem ersten Besuch 1990 entstanden, und auch auf die Distanz reiße der Kontakt niemals ab. “Wir geben nicht nur, sondern wir bekommen auch unglaublich viel Dankbarkeit zurück.”

Schon in der Heimat werden die Kinder behutsam auf ihren vierwöchigen Deutschlandaufenthalt vorbereitet. Dafür sorgen die Betreuer Larissa und Alexander Tarssow sowie Dolmetscherin Nina Romaniuk aus Minsk. Den Rest besorgen die Kinder, die bereits in Meerbusch waren und schon auf der 30 Stunden langen Hinfahrt im Bus viel zu erzählen haben.

Was Alexander freut: Auch die Fußballweltmeisterschaft geht an den Kindern nicht vorbei. Die Spiele der deutschen Elf werden im Gemeindesaal der evangelischen Kirche gemeinsam geguckt. Vier Tage nach dem Endspiel geht’s dann wieder zurück in de Heimat.