Artikel aus den Rathaus-Nachrichten......
Artikel vom: 05/19/2004

Gespräch im Rathaus über zweiten Teil der Rheindeichsanierung
 
 
 
Pläne gezeichnet, Verhandlungen geführt:
Jetzt ist die Bezirksregierung am Zug

Friedrich Freiherr von der Leyen, Deichgräf im Deichverband Meerbusch-Lank, ist Realist: “Gegen das, was wir jetzt vor der Brust haben, war der erste Bauabschnitt einfach.” In der Tat birgt die nun anstehende Sanierung des Rheindamms von Langst-Kierst bis zur nördlichen Stadtgrenze erhebliche Herausforderungen: Waren bei der im Sommer 2002 abgeschlossenen Deicherneuerung zwischen Büderich und Langst-Kierst hauptsächlich landwirtschaftliche Flächen betroffen, geht es jetzt auch um konkrete Anwohnerinteressen. Gerade in der Ortslage von Langst ab etwa Rheinkilometer 754 wird‘s buchstäblich eng werden. Hier steht eine ganze Reihe von Wohnhäusern unmittelbar am Damm. Und der neue Deich wird zwar nur wenig höher, aber erheblich breiter als der alte. Monate lange Planungs- und Abstimmungsarbeit – unter anderem gab es drei Info-Abende für Bürger in Langst-Kierst und Nierst - hat der Deichverband bereits geleistet. Geschäftsführer Josef Schmitz führte die Verhandlungen mit den betroffenen Grundeigentümern. Im sensiblen Bereich der Nierster Spey waren zudem die Belange des Naturschutzes akribisch genau zu beachten. Darüber wachen das Staatliche Umweltamt und der Rheinkreis Neuss als Untere Landschaftsbehörde.

Jetzt geht der Antrag auf Einleitung des Planfeststellungsverfahrens an die Bezirksregierung. Für von der Leyen Grund genug, gemeinsam mit seinem Stellvertreter Wilfried Hilgers vier prall gefüllte Aktenordner mit allen Unterlagen bei Bürgermeister Dieter Spindler abzuliefern. Die Wünsche der Stadt Meerbusch – unter anderem ging es um die Verbreiterung der Deichdurchfahrt zur Rheinfähre – sind inzwischen eingearbeitet, jetzt ist die Gernehmigungsbehörde in Düsseldorf am Zug.

“Wir hoffen, dass wir 2006 mit dem Bau beginnen können”, so von der Leyen. Rund 14 Millionen Euro werde die Sanierung des 6,2 Kilometer langen Deichabschnitts kosten. Die immensen Erdmassen, die für den Deichbau zu bewegen sind, sollen – so hat es der Deichverband beantragt – auf dem Wasserweg zur Baustelle geschafft werden, um Anlieger und Zufahrtsstraßen zu schonen. In der Ortslage Langst-Kierst hoffen die Deichbauer auf die Zustimmung, den Damm entgegen der üblichen Vorgaben im Rheinvorland verbreitern zu dürfen. Die dadurch verloren gehende “Retentionsfläche” soll durch Rückverlegung des Deiches zwischen Langst und Nierst wieder herausgeholt werden. Ein Teil des alten Damms bleibt dennoch stehen, da hier der Ameisenbläuling, eine vom Aussterben bedrohte Schmetterlingsart, letzte Zuflucht gefunden hat.

Interessant für Menschen, die am Rhein Erholung suchen: Mit Fertigstellung des zweiten Bauabschnittes im Jahr 2007 wird Meerbusch erstmals über eine durchgehende Radwegverbindung entlang des Stroms verfügen. Der Radweg wird großenteils über die Deichkrone oder aber über den sogenannten Deichverteidigungsweg am Deichfuß führen.

Bürgermeister Dieter Spindler lobte die saubere Arbeit des Deichverbandes im ersten Bauabschnitt. Damals hatten die Deichbauer noch die Trasse der im Bau befindlichen A44-Rheinquerung für ihren Baustellenverkehr nutzen können – “ein Glücksfall”, wie Spindler meinte. Er hoffe, dass der zweite Schritt ebenso reibungslos und schonend gelinge. Eines sei zumindest Fakt: Die Wichtigkeit der Deichsanierungen im gesamten Rheinverlauf stelle zwei Jahre nach dem katastrophalen Elbhochwasser wohl niemand mehr ernsthaft in Frage.