Artikel aus den Rathaus-Nachrichten......
Artikel vom: 11/04/2008

„Regiodata“-Schüler mit Forschungsauftrag im Stadtarchiv
 
 
 
Wirtschaftsgeschichte „vor der Haustür“:
Arbeitsalltag bei Böhler und Ostara neu erlebt

„Ist ja irre, was die hier alles haben!" Die Neuntklässler des Meerbusch-Gymnasiums staunten bei ihrem ersten Besuch im Stadtarchiv nicht schlecht. Ein derartiges Angebot an Materialien, Zeitdokumenten und Ausstellungsstücken hatten sie nicht erwartet.

Gemeinsam mit ihrem Lehrer Karl-Heinz Renner war die Gruppe, die zum neuen Schuljahr das "Differenzierungsangebot Regiodata" gewählt hat, eigens per Fahrrad von Strümp nach Büderich gestrampelt. In der neuartigen Unterrichtssparte, einem praxisorientierten Querschnittsfach aus Erdkunde und Geschichte, sammeln und erforschen die Jugendlichen Materialien über Wirtschaftsunternehmen aus der Region im Spiegel der Zeitgeschichte.

Eine Grundfrage dabei: Wo und wie komme ich überhaupt an Informationen? Die Erkenntnis am Ende des Archivbesuchs: Es gibt weitaus mehr „über die Heimat“ als man denkt – und zugänglich ist es auch noch. Stadtarchivar Michael Regenbrecht führte die Schüler in die klassischen Methoden der Archivrecherche ein und stellte die Dokumentensammlungen vor, die er zum Beispiel über die einstmals größten Arbeitgeber im Meerbuscher Raum, das Stahlwerk der Böhler AG in Büderich und das Ostara-Fliesenwerk in Osterath, gesichert hat: Urkunden für Jubilare, Bauanträge für Firmenerweiterungen, Arbeitsordnungen, Pläne der Böhler-Siedlung oder nicht zuletzt auch etliche Fotos, die die Mühen des Arbeitsalltags in den Fabrikhallen eindrucksvoll dokumentieren, gingen durch die Schülerhände. „Guckt euch das gut an, das war Knochenarbeit – zwölf Stunden am Tag, sechs Tage in der Woche“, so Regenbrecht.

Lokale Wirtschaftsgeschichte sei aber auch anhand etlicher anderer Unterlagen zu erforschen. Zeitungsausschnitte, Gewerbekarteien, Festschriften, Werbeanzeigen und viele andere Zeitdokumente erzählen lokale Geschichte und Geschichten - und das alles andere als trocken. „Bis in die Preußenzeit lässt sich im Stadtarchiv zurückverfolgen, welche Gewerbe- und Handwerksbetriebe im Raum Meerbusch existierten.“

„Ich möchte den Schülern vermitteln, dass sie das Zeitgeschehen nicht nur in Geschichtsbüchern, sondern auch vor der eigenen Haustür nacherleben können", erklärt Karl-Heinz Renner. Für die Recherche selbst müsse man eben auch einmal das Schulgebäude verlassen - auch wenn das mit organisatorischem Aufwand und Umstellungen im Stundenplan verbunden sei. „Die Jugendlichen entdecken ihre Heimat und die Lebenszusammenhänge hier ganz neu – und das ist wichtig.“

Stadtarchivar Michael Regenbrecht ist diese pädagogische Auffassung hoch willkommen. Er führt nur zu gern Besuchergruppen durch sein Haus, lässt sie den Duft von altem Papier und schlummernder Geschichte schnuppern und kommt auf Wunsch auch gern in den Schulunterricht.